1. Die Vorleserin


    Datum: 09.04.2023, Kategorien: Erotische Verbindungen,

    Es begann an einem verregneten Herbsttag während meines letzten Schuljahres. Ich kam völlig durchnäßt nach Hause und stellte fest, daß ich meinen Wohnungsschlüssel vergessen hatte. Meine Mutter würde erst in einer Stunde von der Arbeit heimkommen, also mußte ich wohl oder übel so lange warten. Verärgert legte ich meinen Rucksack ab und setzte mich auf den Boden.
    
    Nach einigen Minuten ging die Tür gegenüber auf. "Ist irgendetwas nicht in Ordnung?" Vor mir stand die Nachbarin, die erst vor wenigen Wochen eingezogen war. Meine Mutter hatte mir, nachdem sie einmal kurz mit ihre geplaudert hatte, erzählt, daß sie von Beruf Krankenschwester war; sonst wußte ich nichts über sie. Zwar hatte es, wie bei einem Achtzehnjährigen zu erwarten, zunächst meine Fantasie angeregt, daß gegenüber eine alleinstehende Frau wohnte, aber als ich sie sah, war sie mir nicht besonders attraktiv erschienen.
    
    Nicht daß sie häßlich gewesen wäre, nur ein wenig unscheinbar mit ihrem zu einem straffen Pferdeschwanz gebundenen dunkelblonden Haar, ihren grauen Augen und den eine Spur zu kantigen Gesichtszügen. Außerdem war sie um die Dreißig, für meine damaligen Begriffe zwar noch nicht ganz jenseits von Gut und Böse, aber doch eine Frau in mittleren Jahren und somit kein ideales Objekt für feuchte Träume.
    
    "Komm doch inzwischen bei mir rein. Hier in Flur kannst du nicht sitzenbleiben, du wirst dir noch eine Erkältung holen", sagte sie, nachdem ich ihr von meinem Mißgeschick berichtet hatte. Etwas ...
    ... verschämt, aber dankbar folgte ich ihrer Einladung.
    
    Sie nahm mir die durchnäßte Jeansjacke ab und holte aus dem Bad ein Handtuch, das sie mir reichte. "Willst du vielleicht einen Tee?" - "Danke, das wäre sehr nett, Frau..." - "Ach, sag doch einfach Hanna zu mir."
    
    Während ich mich abrubbelte und dann an den Küchentisch setzte, nahm sie einen Teekessel und füllte ihn mit Wasser. Sie trug ein geblümtes Sommerkleid, das für die Jahreszeit eigentlich unpassend erschien, und war barfuß.
    
    Verstohlen musterte ich ihre Figur, als sie mir den Rücken zuwandte. Eigentlich ein ganz netter Hintern, und die Brüste sind auch nicht übel. "Ich hoffe, du hattest nichts Wichtiges vor?" - "Nein, ich wollte nur meine Hausaufgaben machen."
    
    "Was für Aufgaben hast du denn?" - "Ach, ich muß für Englisch ein paar so blöde Gedichte lesen, was von Shakespeare." - "Du meinst Shakespeares Sonette?" - "Ja, genau die. Total unverständlicher Blödsinn." - "Aber das ist doch wunderschöne Poesie. Kommt bei den Mädels irrsinnig gut an, wenn du dich für Lyrik interessierst. Glaub mir, die stehen auf feinfühlige Männer", raunte sie mir verschwörerisch zu.
    
    "Warte, ich muß das noch hier haben." Sie stellte den Teekessel ab, verschwand im Wohnzimmer und kam kurz darauf mit einem schmalen Büchlein zurück. Dann setzte sie sich mir gegenüber an den Tisch und begann zu meiner Überraschung laut vorzulesen. "From fairest creatures we desire increase..."
    
    Als sie sich über das Buch beugte, starrte ich ihr ...
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