1. Die Vorleserin


    Datum: 09.04.2023, Kategorien: Erotische Verbindungen,

    ... unwillkürlich in den Ausschnitt - sie hatte den obersten Knopf ihres Kleides offen, so daß die Ansätze ihrer straffen Brüste sichtbar waren -, nahm mich aber gleich zusammen und sah ihr ins Gesicht.
    
    Sie las konzentriert, mit einer wohlklingenden Altstimme und makelloser Aussprache. Nach wenigen Zeilen hatte mich ihr improvisierter Vortrag in den Bann gezogen. Als das Sonett zu Ende war, blickte sie auf. "Entschuldige, ich will dich nicht langweilen."
    
    "Nein, es ist...Ihr Englisch ist perfekt", stammelte ich verblüfft. "Du meinst für eine einfache Krankenschwester?", lachte sie. "Nein, ich..." - "Schon okay. Meine Mutter war Engländerin, ich bin zweisprachig aufgewachsen. Und den alten Will mochte ich schon immer. Einige der Sonette kann ich sogar heute noch auswendig." - "Ach so, ich verstehe. Sie lesen wirklich toll, Sie könnten Radiosprecherin oder so sein."
    
    "In deinem Alter habe ich davon geträumt, Schauspielerin zu werden. Aber meine Eltern konnten sich keine Schauspielschule für mich leisten. Naja, wahrscheinlich hätte ich sowieso die Aufnahmsprüfung nicht geschafft. So habe ich einen richtigen Beruf gelernt. Möchtest du vielleicht noch eines hören?" - "Ja, sehr gerne."
    
    Ich schloß die Augen und konzentrierte mich auf ihre sinnliche Stimme, deren Vortrag etwas Verführerisches hatte. Es begann mir ein geradezu erotisches Vergnügen zu bereiten, daß eine Frau nur für mich ein Gedicht vorlas. Als sie am Ende angelangt war, spürte ich eine beginnende Erektion. Doch ...
    ... sie riß mich aus diesen Träumen, indem sie das Buch lautstark zuklappte und sagte: "So, jetzt mach ich dir aber endlich deinen Tee."
    
    Wir saßen eine Weile schweigend da, während ich meinen Tee trank und sie eine Zigarette rauchte. Schließlich war von draußen zu hören, wie die Wohnungstür gegenüber aufgeschlossen wurde. "Ich glaube, deine Mutter ist da." - "Ja, ich geh dann besser rüber. Danke für alles."
    
    "Nein, ich muß dir danken. Es hat mir eine Menge Spaß gemacht, wieder einmal jemandem Gedichte vorzulesen. Ich hoffe, es hat dich nicht zu sehr genervt." - "Nein, gar nicht. Es war sehr schön."
    
    "Du solltest dich mit einem kleinen Geschenk bei ihr bedanken", meinte meine Mutter, nachdem ich ihr von der Gastfreundschaft unserer Nachbarin erzählt hatte. "Vielleicht eine Bonbonniere." - "Meinst du wirklich?" - "Ja, auf jeden Fall. Das ist eine Frage der Höflichkeit."
    
    Ich versuchte mir meine Begeisterung über diesen Vorschlag nicht anmerken lassen. Der Vorwand, Hanna wieder zu sehen, kam mir gerade recht. Ihre Stimme ging mir nicht mehr aus dem Kopf, dieser Klang, der mir sinnlicher schien als alles, was ich bis dahin gehört hatte. Als ich allein in meinem Zimmer war, legte ich mich aufs Bett und masturbierte, und ich dachte dabei an Hanna, wie sie Shakespeare vortrug.
    
    *
    
    Am nächsten Tag stand ich mit einer Schachtel Pralinen vor Hannas Tür. "Ich wollte mich dafür bedanken, daß Sie gestern so freundlich waren", sagte ich verlegen. "Oh, das ist aber nett. Komm doch ...
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