1. Zum Kruzifix


    Datum: 22.05.2023, Kategorien: Nicht festgelegt,

    ... unwillkürlich. Anders als der Schwarze, der mir seine Intention so eindeutig klargemacht hatte, hatte dieser Angst, begriff ich.
    
    «Verschließt ihr die Fresse, oder ich brech ihr den Kiefer!» kam eine Stimme von vorne. Sie war nölig, besoffen, aber eindeutig deutsch. Mein dummer, rassistischer Reflex brachte mich dazu, mich gleich an ihn zu wenden. Und laut um Gnade zu betteln. Dabei begann ich zu heulen. Ich hatte begriffen, was im Stande war, zu passieren.
    
    Wie ein Wolf stürzte der aus den dunklen Schultern seiner Mitstreiter hervor. Seine Augen glänzten rötlich. Seine Kleidung war siffig. Er stank mehr als der Araber, ohne seine Hand an mich legen zu müssen. Darin trug er eine zerknautschte Bierdose.
    
    «Haltet mal an.» befahl er.
    
    Alles wurde still. Ein Kauz rief. Die Bierdose landete in meinem Gesicht und glitt an meinem Hals zu Boden. Ein Spritzer daraus traf gleich in mein Nasenloch.
    
    «Du Schlampe.» sagte der Deutsche nur. Ich nannte ihn ihm Geiste Friedrich. «Du guckst so trotzig.» Ein blankes Messer tauchte aus seiner Sweatjacke auf. Es war bereits aufgeklappt. «Ich stech sie dir aus. -- Haltet sie still.»
    
    Das Messer lief spitz zu. Auf dem letzten Zentimeter beschrieb der Klingenrücken einen konkaven Bogen zur Spitze hin. Eine Waffe zum Stechen und Schneiden. Wie geschaffen für meine sich weitenden Pupillen. Ich kreischte unbändig. Riß an den durchtrainierten Armen meiner Bewacher. Erneut krallte sich eine Hand fest in meinen Schopf. Hielt meinen Blick ...
    ... auf die Spitze geschielt. Meinen Blick, der gleich für immer passé sein könnte.
    
    «Nischt nötisch» warf auf einmal der Araber ein. Vor Schreck ließ die Hand in meinem Schopf mich zu ihm herumdrehen. Alle blickten ihn an. Wollte er die Schlampe schonen? Sie hatten doch ausgemacht, daß sie jeglichen Menschendreck, den sie aufgabelten, nicht nur ficken, sondern auch nach belieben foltern duften?
    
    «Ick will auf ihr Augen wichsen.» behauptete er. Und auf die Blicke der Andern hin wiederholte er felsenfest seine Behauptung.
    
    «Und das wirst Du» löste Friedrich schließlich die Anspannung. Und sie schliffen mich weiter. Meinen Araber nannte ich Raul. Weil ich die Spanier lieber mag als die Araber.
    
    Man legte mich auf nassen Waldboden. Er unterschied sich nicht vom Weg, den wir gekommen waren, außer daß man durch verschattete Kronen ein zwei blasse Sterne entdecken konnte. Noch bevor ich mich hochstemmen konnte, rückte mir der Deutsche mit dem Messer zupass. Es saß an meiner Kehle, während jemand den Saum meines Rocks von meinen Schenkeln hob. Friedrich hatte sich schlecht die Zähne geputzt und hatte seitdem kaum mehr welche. Ich scheute seinen Hauch.
    
    «Na? Nicht mehr so keß, hm? Hure? Du willst uns wohl doch ficken hm? Oder nich? Du würdest wohl niemals mit einem wie mir ficken, hm? So eine saubere Schlampe wie dich, wolln wir mal herausfinden, ob du rasiert bist?»
    
    Er riss mir den einen Arm hoch und entblößte meine Achsel. Das Messer wanderte von meinem Hals zur Achsel. Als ...
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