-
Puppenliebe
Datum: 30.07.2023, Kategorien: Sonstige,
... ich amüsierte mich über mich selber. "Gut, damit ihr keinen Streit miteinander bekommt, kommst du woanders hin!", sprach ich zu Prinzess, setzte meinen Teddy auf seinen Stammplatz, die Puppe auf das zweite Kopfkissen meines Doppelbettes, mit dem Rücken gegen die Lehne. "Ich hoffe, es ist dir bequem genug!", erkundigte ich mich, erwartete keine Antwort darauf. Ich hatte es erwartet, und war daher nicht verwundert, als es die nächsten Stunden ruhig blieb. Nach mehreren Stunden konzentrierten Arbeitens, brannten mir die Augen und ich machte für den Moment Schluss, wollte mir was zu essen machen und mich danach ausruhen. Dazu ging ich in die Küche, holte Essen vom Vortag aus dem Kühlschrank und stellte es in die Mikrowelle. Ich sah meiner Mahlzeit dabei zu, wie sie Karussell fuhr, dachte darüber nach, was ich am nächsten Tag machen wollte. Ich kochte grundsätzlich für zwei Tage, damit ich eine nicht darum kümmern musste. Als es fertig und dampfend auf meinem Teller lag, futterte ich es lustlos in mich hinein. Es war Nahrungsaufnahme, Energiezufuhr, nicht mehr. Man konnte es essen, hielt mich am Leben, nicht mehr. Danach alles in die Spülmaschine und schon war ich gesättigt und fertig. Mit meinem Schwerbauch schleppte ich mich ins Schlafzimmer, warf mich auf das Bett und sah aus dem Augenwinkel, wie Prinzess von den Erschütterungen, die durch die Matratze liefen, seitlich umkippte. "Oh, Entschuldigung, habe nicht an dich gedacht. Ich habe nur selten Besuch in ...
... meinem Bett!" Ich nahm sie auf, setzte sie zurück auf ihren Platz und schaltete den Fernseher ein, der mir gegenüber an der Wand hing. "Welches Programm?", fragte ich Prinzess und war über mich selber erstaunt. War ich bereits einsam genug, um mit einer Puppe zu sprechen? Seit meiner letzten Freundin war es lange her. Ich kam selten privat herum, arbeitete meistens von morgens bis abends, dem Erfolg opferte ich einen großen Teil meines Privatlebens. Mir machte es nichts aus, schreiben war Hobby, Leidenschaft und Beruf gleichzeitig. Mir fehlte nichts, nicht einmal die körperliche Nähe eines anderen Menschen. Wenn ich sexuelle Spannung verspürte, konnte ich es selber abbauen. Ein paar Taschentücher später hatte ich mich erleichtert und neue Energie für meine Passion. Ich zappte durch die Programme, und es verwunderte mich nicht, dass ich nichts fand. Es störte mich nicht. Wollte ich entspannen, war ein interessantes Programm kontraproduktiv. Am besten war es, wenn es mich nicht interessierte, ich keine Aufmerksamkeit darauf verwenden musste. Es lief einfach im Hintergrund, ich schloss dabei meine Augen und hörte nicht hin. Bei einem der Sender, die seltsame Produkte erkauften, blieb ich kurz hängen und drehte mich zu der Puppe hin. "Wie wäre es damit?", fragte ich sie, schüttelte sofort meinen Kopf. "Nee, das hält keiner aus. Wollen mal sehen, was es sonst für dich gibt!" Ein paar Programmplätze später war eine langjährige Sitcom, die ich teilweise gesehen hatte. ...