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Puppenliebe
Datum: 30.07.2023, Kategorien: Sonstige,
... Schwesterchen, wie geht es dir?", flötete ich mit einer zuckersüßen Stimme in den Hörer. Eine kurze Pause entstand, die durch eine erstaunte Stimme unterbrochen wurde. "Was willst du denn? Seit Jahren höre ich nichts mehr von dir und jetzt rufst du zu dieser verdammt frühen Zeit an. Bist du betrunken oder wahnsinnig geworden?" "Nichts von beiden. Ich wollte dich nur was Fragen!" "Wenn du schon mal dran bist, dann frag, aber schnell, ich will zurück ins Bett, habe eine lange Nacht hinter mir!" Ich fragte nicht danach, warum sie diese gehabt hatte, es interessierte mich nicht. "Gestern war ich auf dem Dachboden und habe deine Kartons, die du vor Jahren hier abgestellt hast, umgeräumt. Dabei ist einer kaputt gegangen und der Inhalt herausgefallen. Unter anderem waren zwei Puppen darin und ich wollte dich fragen, ob ich sie haben kann. Eine Bekannte von mir sammelt die Dinger und sie würde sich sicher darüber freuen, wenn sie die bekommt!" Erneut trat längeres Schweigen ein und ich hörte mein Schwesterchen, wie sie ihre Nase hochzog. Wahrscheinlich hatte sie Schnupfen, was sich mir bestätigte, als sie kräftig nieste. "Du meinst die Beiden, die du bei deinen widerlichen Spielen beschmutzt hast?", fragte sie nach und mir wurde klar, dass sie es nie vergessen hatte und machte mich damit verlegen. "Genau die!", gab ich zurück, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. An dieser Tatsache ließ sich nichts mehr ändern. "Du solltest sie verbrennen, anstatt sie ...
... jemandem zu schenken. Ich würde mich dafür schämen, sie jemandem anzubieten. Wahrscheinlich klebt noch was von dir an ihnen. Meinetwegen kannst du sie haben, ich habe sie seitdem nicht mehr angefasst. Aber wasch sie vorher! Sonst noch was?" Um meine Frage zu überspielen, verlängerte ich das Gespräch. "Wirst du die anderen Sachen irgendwann abholen? Sie verbrauchen nur Platz und es wäre schön, wenn ich diesen irgendwann für mich haben könnte!" "Weißt du was? Ich habe das, was drin ist seit Jahren nicht gebraucht oder vermisst. Schmeiß es einfach weg, dann haben wir beide Ruhe!", entgegnete sie mir. "Ok, wenn du es sagst. Vielen Dank auch, mehr wollte ich nicht!" "Gut, dann kann ich wieder schlafen gehen. Schönen Tag noch!", war das Letzte, was ich von ihr hörte. Ein Herz und eine Seele waren wir nie gewesen. Ich ging zurück ins Schlafzimmer und stellte mich mit klopfendem Herzen vor Scarlett und Grace, sah sie abwechselnd an und wollte sie gerade ansprechen, als ich eine unbekannte Stimme in meinem Kopf hörte. "Frag schon endlich!", hörte ich und war davon überrascht. "Wer von euch war das?" "Eigentlich nicht die Frage, die ich gemeint hatte, aber gut, ich bin es, Grace!", meinte sie kurz angebunden mit kratziger Stimme. Meine Augen blieben auf ihr kleben und ich betrachtete sie für einen Moment genauer. Ihre Augen strahlten, waren wunderbar blau, wie man es von einer blonden Schönheit erwartete. Bei Scarlett waren sie rehbraun, sahen weich und ...