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Puppenliebe
Datum: 30.07.2023, Kategorien: Sonstige,
... sehen, ob wir was in der Richtung für sie machen können. Sie wollten doch sehen, wie so was geht. Im Prinzip ist es nicht anders, als bei der Bekleidung für Menschen, zumindest ich mache das so. Hier wird nur geklebt, wenn es nicht anders möglich ist. Leider haben ich keine Schnittmuster für diese modernen Sachen. Aber wir sollten das auch so hinbekommen. Dort hinten ist feinstes, dünnes Leder, schauen sie mal nach, ob was für uns dabei ist, ich schaue, ob ich Stoff für das Oberteil finde. Würde Prinzess ein knalliges Rot gefallen?" Ich sah die Puppe an und nickte. In der Farbe konnte ich sie mir gut vorstellen. Wenig später lag das Beste auf dem Tisch, was wir finden konnten und Frau Kringel zeichnete mit zittrigen Fingern schmale Linien auf das Material. Nahm zwischendurch bei der Puppe Maß. "So, das sollte gehen. Schneiden sie es bitte aus und danach werden sie es vernähen!" Um ehrlich zu sein, war es das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Nähmaschine bediente. Sie war im Gegensatz zur Werkstatt recht modern und daher einfacher zu bedienen als gedacht. Zuvor übte ich einen Moment, um eine einigermaßen gerade Naht zu bekommen und durfte mich danach an die Stoffteile für die Kleidung wagen. Natürlich hätte ein Experte es besser gemacht, trotzdem fand ich das Ergebnis meiner Arbeit ansehnlich. Immerhin hatte ich über zwei Stunden dafür gebraucht, wobei mir Frau Kringel wertvolle Tipps geben konnte. Es bezog sich weniger auf meine Werkstücke, stattdessen ...
... fragte ich sie über andere aus, die ich in meinem Roman verwenden wollte. Sie war eine übersprudelnde Quelle für alles, was das betraf und ich hatte den Eindruck, als wenn sie genüsslich in alten Erinnerungen schwelgte. "Fertig!", meint ich und hob das Röckchen hoch, hielt es der Lampe entgegen. "Sieht gut aus. Probieren sie es an!" Ich wendete mich der Puppe zu, zog ihr die Bekleidung vorsichtig über den Körper und betrachtete danach das Ergebnis. "Passt!", erklärte ich freudig und hob Prinzess hoch über mich. Sie schlug ihre Augen klimpernd auf und ihre Lippen verzogen sich im Halbschatten zu einem schmalen Lächeln. Eine Täuschung, war ich mir sicher und legte sie vorsichtig auf den Tisch zurück. Danach verabschiedete ich mich von Frau Kringel, bedankte mich für die vielen Tipps und Informationen, die mich in meiner Recherche weitergebracht hatten. Sie kam mit mir an die Tür, zog auf einmal eine kleine Puppe hinter dem Rücken her und reihte sie mir. "Nehmen sie, dann sind sie nie alleine!", meinte sie, zwinkerte mir mit einem Auge zu. Ich nahm die scheinbar alte Puppe, die mit einem Kleid angezogen war, das ihr bis über die angedeuteten Knie hing, in winzigen Schühchen steckten ihre Füße, die Haare waren unter einer Haube versteckt. Sie hatte ein nettes, lächelndes Gesicht mit roten Bäckchen, und hatte eine Größe, die meine Hand ausfüllte. Ich bedankte mich bei Frau Kringel, stieg in meinen Wagen ein, setzte die Puppe auf den Beifahrersitz und fuhr nach ...