1. Perspektive auf Ketten


    Datum: 13.03.2024, Kategorien: Nicht festgelegt,

    ... von Spezialisten „mustern" zu lassen. „Slave Grading" nannte die Jugend es.
    
    Jeder Slave Shop bot diesen Service fast kostenlos an. Natürlich in der insgeheimen Hoffnung, dass die ein oder andere Person in Ketten bleiben würde. Von solchen Verkäufen lebte der Laden (und ich). Ich denke, ihr versteht damit worin meine Arbeit besteht.
    
    So früh am Morgen war im Kaufhaus noch nicht viel los. Die Geschäfte machten gerade erst auf und bereiteten die Schaufenster vor. Die meisten potenziellen Kunden waren natürlich noch selbst arbeiten.
    
    Auf meinem Weg lief ich wie immer zum Infostand von Sandra. Sie war die Servicedame des Kaufhauses, mit der ich immer gern ein paar Worte wechselte.
    
    „Guten Morgen, meine Schöne!"
    
    Sandra ließ nur ein Schnauben von sich hören. Ich bin mir sicher, sie hat auch gerade ihre Augen verdreht.
    
    „Guten Morgen Friedrich. Ich sehe, du hast es aus deinem Urlaub zurückgeschafft. Ich hoffe doch, du hast dabei auch mal an uns arme Arbeiter gedacht."
    
    Sandra war einfach fantastisch! Immer geradeheraus. Ich habe keine Ahnung, wie so jemand in den Kundenservice geraten ist. Aber sie ist hier eine der Personen, die am längsten angestellt sind. Irgendetwas muss sie also richtig machen.
    
    „Natürlich habe ich an alle gedacht. Sogar besonders an dich. Ich habe dir das Mitbringsel mitgebracht, nachdem du gefragt hast."
    
    Ich schob ihr eine braune Papiertüte zu, die sie, nach einem Blick hinein, schnell unter dem Tisch verschwinden ließ. Ein Lächeln ...
    ... erschien dabei auf ihrem Gesicht.
    
    „Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann. Hast du auch etwas Schönes erlebt? In Griechenland gibt es doch die ganzen alten Tempel und so...."
    
    „Ich habe mir den antiken Palast auf Kreta angesehen. Dort, wo der Minotaurus gewütet hat. Sehr beeindruckend."
    
    Sandra sah mich erstaunt an.
    
    „Dort warst du mit deiner Familie? Ich habe gehört, es soll dort für Besucher unsicher sein. Dort verschwinden Leute auf offener Straße. Werden da nicht auch Sklaven verkauft? In den Prospekten warnen sie doch immer: meide Kreta, sonst wird dir der Stier auf den Hintern gebrannt."
    
    Ich lachte bei ihrer Aussage. Es überraschte mich immer wieder, dass sie über so etwas Bescheid wusste.
    
    „Das ist sogar direkt daneben. Es gibt von den Ruinen eine beeindruckende Aussicht auf den ganzen Markt. Ich konnte sogar live beobachten, wie ein paar Amerikanerinnen wegen 'Beschädigung einer antiken Stätte' verhaftet und in Ketten gelegt wurden. Ich weiß nicht genau, was sie angestellt hatten, doch man konnte ihr Gebrüll bestimmt bis zum Markt hören."
    
    Ich hielt mir spaßhaft die Ohren zu.
    
    „Die hatten wirklich keine Ahnung, an welchem Ort sie waren. Dabei wird darüber in jeder Broschüre gewarnt. 'Gehen sie nicht allein spazieren. Es kommt immer wieder zu Verwechslungen mit entlaufenen Sklavinnen'. Leider wollte meine Frau danach von dort weg. Sie reagiert auf so etwas immer empfindlich. Ich konnte also nicht sehen, was aus denen geworden ist."
    
    „Und was ...
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