1. Offen 01


    Datum: 07.04.2024, Kategorien: Sonstige,

    ... weiterhin zu treffen und noch besser kennenzulernen. Und es eben genau dieses war, was uns daran reizte. Vernünftig wäre vermutlich davon abzusehen. Vernunft in solchen Dingen war allerdings nie meine Stärke gewesen, im Gegenteil.
    
    Kaum war das Kind am Abend eingeschlafen, vögelte ich Anne wie ein Wahnsinniger und versicherte ihr immer wieder, dass ich sie liebte. Sagte ich das wirklich ihr, oder musste ich es für mich selbst aussprechen? Die Erschöpfung brachte eine gewisse Beruhigung, aber die Alarmglocken waren nur leiser geworden, verstummt waren sie nicht.
    
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    Nina schien es ähnlich zu gehen, denn vor meiner Fahrt nach Hamburg am Mittwoch meldete sie sich nur ein einziges Mal, teilte mir mit, dass ihr unser Treffen sehr viel Spaß gemacht hatte, wir in Zukunft aber vielleicht einsamere Parkregionen meiden sollten, begleitet von einem "Augenzwinkern-Emoji". Ich schrieb nur zurück, dass ich in ihr in beiden zustimmte, unfähig, noch mehr dazu zu sagen.
    
    Nichtsdestotrotz vereinbarten wir allerdings ein weiteres Treffen an dem Wochenende nach Hamburg.
    
    In Hamburg war ich schon Jahrzehnte nicht mehr gewesen. Vor zwanzig Jahren hatte mein ältester Bruder dort für zwei Jahre gelebt und ich hatte ihn öfter besucht. Da mir lange und wahrscheinlich recht anstrengende Tage bevorstanden, dachte ich allerdings nicht daran, nach Feierabend noch etwas zu unternehmen, auch die Reeperbahn reizte mich nicht.
    
    Die fast zweistündige Fahr mit dem ICE war alles andere als ...
    ... spannend. Ich war extrem müde, da der Zug schon kurz nach sieben fuhr und ich schlecht geschlafen hatte. Besuche bei einem Kunden vor Ort waren eher die Ausnahme, meistens bekamen wir unsere Projektunterlagen elektronisch, oder die Kunden waren bei uns und wiesen uns in die Systeme ein, wenn Zugänge vorhanden waren.
    
    Mir schräg gegenüber saß eine ausgesprochen hübsche junge Dame, die ähnlich müde zu sein schien und immer wieder einnickte, in Shorts mit Strumpfhosen darunter, die Beine artig übereinandergeschlagen. Die langen Beine, wie die Dame insgesamt, waren trotzdem eine Augenweide.
    
    Ein kurzer Blickkontakt signalisierte meine folgenfreie ästhetische Entzückung und ihre ebenso wohlwollende Dankbarkeit für diese, ohne weitergehendes Interesse aneinander. Mir fielen ohnehin ständig die Augen zu, bei ihr war das nicht anders.
    
    Da ich mich in Hamburg und mit dem öffentlichen Nahverkehr dort gut auskannte, verzichtete ich auf ein Taxi, das mir mein Arbeitgeber sonst ohne weiteres auch gezahlt hätte und kam pünktlich an. Ich wurde von einem der Geschäftsführer begrüßt und nach einem kurzen Meeting in relativ großer Runde, bei dem mir die Projektdetails vermittelt wurden, eine Führung durch die relativ große Firma und insbesondere der für dieses Projekt relevanten Abteilungen angeschlossen.
    
    Diese endete in der QM-Abteilung des Backoffice, wo mich dann die Dame begrüßte, mit der ich diese drei Tage vornehmlich verbringen sollte, Frau Seeger. An dem Meeting zuvor hatte sie ...
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