1. Bewährung


    Datum: 13.04.2024, Kategorien: Romantisch

    ... hier übernachten lassen", wagte er dann doch eine Erklärung. "Sie wusste ja nicht, wohin."
    
    "Das hat sie mir erzählt", gab ich mit scharfer Stimme zurück. "Wie auch alles andere."
    
    "Ich habe sie zu nichts gezwungen", entgegnete er schnell, und duckte sich richtig dabei.
    
    "Darüber kann man geteilter Meinung sein. Wäre sie unter achtzehn, würde ich Sie anzeigen, Sie erbärmliche Gestalt."
    
    "Das... ich..."
    
    "Sparen Sie sich Ihre Rechtfertigungen. Kein Wort mehr."
    
    Schweigend wartete ich mit dem zitternden Mann auf Sophies Rückkehr, die nicht lange auf sich warten ließ. Ihre Verabschiedung von ihm überraschte mich dann doch.
    
    "Tschüss, Ulli. Und nochmal danke für alles. Ich wüsste nicht, was ich ohne dich gemacht hätte."
    
    Für den triumphierenden Blick, den er mir dann leichtsinnigerweise zuwarf, hätte ich ihm fast noch eine gebrettert. Hielt mich mit letzter Selbstbeherrschung zurück. Nahm Sophie eilig den Rucksack ab, und ging mit ihr zum Auto.
    
    "Das Schwein ist der Klassenlehrer von Steffen", teilte ich ihr immer noch erschüttert von der Begegnung mit.
    
    "Das ist er nicht. Ein Schwein, meine ich. Da gibt es Schlimmere. Es war... im Rahmen."
    
    "Sophie, sag so doch nicht so etwas. Das ist es nicht. Niemand sollte eine Notlage so ausnutzen. Schon gar nicht ein Mann, von dem Charakter erwartet wird."
    
    "Wir sind alle nur Menschen. Er ist einsam, wie so viele andere auch", gab sie fest zurück. "Es war okay. Nur mit ihm schlafen wollte ich nicht. Ich bin keine ...
    ... Nutte."
    
    Nun, auch darüber konnte man geteilter Meinung sein. Aber ich verstand schon, wie sie das und sich sah. Oh mein Gott. Was ging eigentlich ab in diesem unseren Land... Ich beeilte mich, das Thema auf den Baumarktbesuch zu lenken, wo wir wenig später eintrafen.
    
    Ich riet ihr zu besserer Farbe, und als sie aufgrund der Preisunterschiede zögerte, erklärte ich ihr schließlich, dass sie sich um das Geld keine Gedanken mehr machen sollte. Wandelte das vermeintliche Vorstrecken kurzentschlossen in ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk um.
    
    Sie nahm es trotzdem erst nach längerer Diskussion an. Überhaupt verblüffte sie mich ständig. Mit ihrer Einstellung, ihren Gedanken von Recht und Unrecht, ihrer ganzen Persönlichkeit. Begann langsam, Jochen zu verstehen.
    
    Allerdings... auf meinen Verdacht sprach ich sie dann in ihrer Wohnung an, wo wir tatsächlich die von Ludwig versprochene Leiter vorfanden. Ich kletterte rauf und behandelte die Schimmelstellen an der Decke und der Wand mit dem schaumigen Spray, was er da besorgt hatte.
    
    "Sag mal, mit Jochen... war das auch so eine Abmachung wie mit Fischer?"
    
    "Nein. Jochen mochte ich. Das habe ich gemacht, weil er es gebraucht hat."
    
    Puh. Das erleichterte mich irgendwie, aber irgendwie auch wieder nicht, weil ich es nicht verstand. Sah sie lange an, nachdem ich von der Leiter heruntergeklettert war, und sie zur Seite schob, um die letzten Stellen in Brusthöhe noch einzuschäumen.
    
    "Und du... ich meine, du kannst doch nicht... ...
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