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Das rote Band und der Wunsch
Datum: 21.04.2024, Kategorien: Nicht festgelegt,
... mintgrün-orange gestreifte mit der kleinen Schleife passte optisch super zu ihrer Haarfarbe. Andere Grüntöne oder gar andere Farben bissen sich zu sehr. Hinzu kam, dass sie farblich abgestimmte Kleidung gewählt hatte. Der grüne Midirock und die orangefarbene Bluse. Sogar ihre Kniestrümpfe hatten den gleichen Farbton. Sie suchte in ihrem Rucksack nach einem Ersatzgummi, fand aber keines. Just als sie überlegte, ob sie nochmal zurückgehen sollte, um ein Neues zu holen, fuhr der Bus durch. „Nein! Halt!", rief sie und winkte vergebens hinterher. Der Fahrer bemerkte sie nicht und braust an der Haltestelle vorbei. Tränen schossen ihr in die Augen. Die Welt hatte sich gegen sie verschworen. Der nächste Bus würde erst in einer Stunde fahren. Die Haltestelle war im Grunde nur für sie eingerichtet worden. Das Anwesen ihrer Familie lag so weit außerhalb, dass ihre Oma extra einen Antrag stellen -- und wer weiß was, noch getan hatte -- damit der Linienbus zu bestimmten Zeiten hielt und ihre Enkelin zur Schule hin und nachmittags wieder zurückbrachte. Omi nannte es die Forrest-Gump-Haltestelle, ihre Enkelin verstand es nicht, bis sie mit ihr zusammen den alten Film sah. Hinterher lachten beide herzlich darüber. Als sie den Entschluss gefasst hatte, nun doch zurückzugehen, wischte sie die Tränen fort, drehte sich mit hängenden Schultern um und stieß mit jemanden zusammen. „Tschudligung!", murmelte die kleine Rothaarige. „Junges Fräulein, habt acht! Wohin läuft es so ...
... unbedacht?", sagte eine heisere, gutturale Stimme. Das Erste, was Leonie wahrnahm, war der modrige Geruch, den die Kleidung der alten Frau verströmte. Für die sommerlichen Temperaturen war das Kleid viel zu dick, aus Samt oder einem anderen festen Stoff. Es war dunkelgrün mit vielen rosafarbenen Rosen auf Brust und den langen Ärmeln. Dazu musste es einen Reifrock haben, der dafür sorgte, dass das Kleid weit abstand. Die alte Frau trug in der Armbeuge einen passenden, aber ebenso alten Beutel mit Kordel. Insgesamt wirkte die Frau altmodisch gekleidet. Leonie erinnerte sich an ein Bild aus dem Mittelalter, dass sie mit ihrer Omi in einem Museum sah. Leo rümpfte die Nase. Jep, und genauso roch die Schrulle. Die Frau sah auf Leonie hinab. Ihre Frage in Erinnerung rufend, erklärte das Mädchen: „Nach Hause! Das Haargummi ist-" Leonie zeigte das zerrissene Teil und fing im nächsten Moment an zu schluchzen. „Und der Schulbus ist weg." Sie deutete in die Richtung des davongefahrenen Busses. „Der Nächste kommt erst in einer Stunde. Dadurch sind gleich zwei Schulstunden verpasst." Leonie hielt sich die Hände vors Gesicht und heulte los. „Na na, zu greinen aus solch geringer Not, mir düngt, es ist Wichtigeres von Gebot." Sie legte ihre Hände auf Leonies Schulter und drückte sie tröstend an sich. Die Worte der Frau verwirrten Leonie. Warum sprach sie so komisch, dazu in Reimen? So verschroben sie auch war, ihre warmherzige Berührung beruhigte Leonie. Sie spürte, dass sie es gut mit ihr ...