1. Simone


    Datum: 20.09.2024, Kategorien: Erotische Verbindungen,

    Nur manchmal verließ ich meine dunkle Höhle aus Traurigkeit. Ich vegetierte mehr vor mir hin, als dass ich lebte. Meinen Alltag, Beruf und Erledigungen für den täglichen Bedarf, bekam ich hin -- viel mehr aber nicht. Ich nahm selten Einladungen an, so lange, bis ich auch kaum noch welche bekam aus meinem einst großen und aktiven Freundeskreis.
    
    Nur gegenüber Laura, meiner Tochter, riss ich mich zusammen, versuchte ein guter wie gut gelaunter Vater zu sein, der für sie da ist, wann immer sie mich braucht. Und ich versuchte, ihr meine eigene Stimmungslage zu verbergen, so gut es ging. Es ging nicht immer so gut. Aber sie ist klug und konnte das einordnen. Auch sie musste ja umgehen mit ihrer Traurigkeit. Und so hielten wir uns aneinander fest.
    
    13 Jahre war sie jetzt, seit knapp zwei Jahren war sie Halbwaise. Und ich Witwer. Wir waren eine intakte, fröhliche Familie, auch wenn man immer dazu neigt, im Nachhinein so etwas zu idealisieren. Denn klar gab es auch mal einen Krach, zeitweise knirschte es zwischen Eltern und Kind, und immer wieder auch mal zwischen Vater und Mutter. Aber was würde ich dafür geben, nochmal solche Kräche zu haben mit meiner Frau. Was würde ich dafür geben, wenn es sie noch gäbe, wenn sie noch da wäre. Aber es gibt sie nicht mehr. Verkehrsunfall -- wobei, sie ist nicht „verunfallt". Sie fuhr mit dem Rad und hatte nichts falsch gemacht. Sie hatte grün und fuhr geradeaus, der LKW bog nach rechts ab, ohne sie zu sehen, ohne auf sie zu achten.
    
    Beim ...
    ... Strafprozess gegen den Fahrer war ich Nebenkläger, aber ich nahm nicht teil an den Verhandlungen. Ein befreundeter Anwalt übernahm alles für mich, und wenn ich ehrlich bin, war es mir egal, wie hoch das Strafmaß ausfiel. Ich war mehr darauf erpicht, dass Laura die Tageszeitung bei uns im Hause stets dann nicht zu Gesicht bekam, wenn darin über den Prozess berichtet wurde. A propos: Auch ich war bis dahin Prozessanwalt, hatte als Jurist viele Gerichtstermine. Jetzt nicht mehr. Ich habe meinen Job geändert, bin raus aus meiner Kanzlei und arbeite nun in einer Firma als Justitiar. Geregelte Arbeitszeiten, kaum Außer-Haus-Termine. Habe meine Ruhe.
    
    Laura war so etwas wie mein Fenster zur Welt. Sie hatte Freundinnen und Freunde aus der Schule, und darüber bekam auch ich immer wieder Kontakt zu Eltern ihrer Freundinnen. Um nicht zu stoffelig zu wirken, versuchte ich mich dabei stets in zwanglosen Gesprächen oder, bei Elternabenden etwa, mit halbwegs sinnvollen Einlassungen. Immer aber spürte ich, dass mir gegenüber so etwas wie Mitleid mitschwang in den Reaktionen. Ich war halt der mit der furchtbaren Unfallgeschichte, dem schlimmen Todesfall, der arme Witwer in seinen eigentlich besten Jahren. So etwas nervt. Daher blieb es lange bei der Distanz, die ich zu den anderen wahrte.
    
    Allerdings spürte ich auch andere Reaktionen. Ich bemerkte Blicke, die eine andere Form von Interesse signalisierten. In diesen Blicken lag: Da ist nicht nur ein bemitleidenswerter oder vom Schicksal ...
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