1. Doro 06: Preis der Freiheit


    Datum: 29.09.2024, Kategorien: Nicht festgelegt,

    Doro stand nur noch mit ihrer Unterwäsche bekleidet vor dem ausladenden Schreibtisch. In der Gefängniszelle war eine solche Zurschaustellung ihrer Nacktheit immer der Auftakt zu einer Lektion, die ihr Tanja erteilte. Auch jetzt konnte sie nicht anders, als daran zu denken und sich vorzustellen, was die erfahrene Frau mit ihr tun würde. Obwohl ihr bei diesen Gedanken beinahe wieder die Knie weich wurden, gaben sie ihr gleichzeitig ein wenig Halt in dieser bedrohlichen Welt.
    
    Hier in dem weitläufigen Büro kam sie sich unsicher und verloren vor. Der massige Mann auf der anderen Tischseite flößte ihr Angst ein. Gleichzeitig sagte ihr der Rest ihres rationalen Denkens, dass er die Schlüsselperson für ihre Freiheit war und dass sie sich mit ihm gut stellen musste. Was könnte sie ihm dafür anbieten?
    
    Tanja hatte ihr klar gemacht, welches wertvolle Gut sie besaß. Es käme darauf an, es mit dem höchstmöglichen Gewinn zu verkaufen. War dies die richtige Gelegenheit? Oder war es sogar die einzige Gelegenheit und sie verschenkte alles, wenn sie diese nicht beherzt ergriff? Ihr wurde heiß. Das war einfach zu viel. Sie konnte sich nicht entscheiden.
    
    Der Direktor wuchtete sich aus seinem Sessel hoch und stützte beide Fäuste auf die Tischplatte. Er sah die Feuchtigkeit auf ihrer Stirn und selbst aus der Entfernung konnte er ihren Angstschweiß riechen. Die Situation gefiel ihm. Sie fürchtete ihn. Er genoss es, Macht über andere auszuüben.
    
    Er pflückte einige Papiere aus der Akte und ...
    ... breitete sie vor der Verunsicherten aus. Eines der Dokumente zeigte den Briefkopf der deutschen Botschaft -- selbstverständlich gefälscht, was sie aber nicht wissen konnte. Neugierig beugte sie sich vor und las.
    
    Der Text besagte, dass sie gegen eine Geldauflage, die vom Staat bezahlt würde, freigelassen und abgeholt würde, wozu sie vorher die beigefügten Formulare unterschreiben müsse. Die fremde Schrift auf den anderen Blättern konnte sie nicht entziffern, aber alles wirkte sehr offiziell, da würde es bestimmt seine Richtigkeit haben. Und wenn es ihr die Freiheit brachte, wollte sie diese Sache schnell hinter sich bringen.
    
    [„Kann ich bitte einen Stift haben?"]
    
    Der Beamte fischte einen Kugelschreiber aus einer Schublade. Anstatt ihn ihr zu reichen, spazierte er damit um das Möbelstück herum. Doro wartete zitternd, während er gemächlich näherkam. Letztendlich trat er seitlich hinter sie, so dicht, dass sie sein herbes Rasierwasser riechen konnte. Den Schreibstift rückte er aber noch nicht heraus. Stattdessen strich er mit der freien Hand den rotgoldenen Vorhang, der ihr über den Rücken fiel, zur Seite und berührte sachte ihren Nacken. Entzückt beobachtete er, wie sich die feinen Härchen in ihrem Genick aufstellten. Dann zog er gemütlich eine unsichtbare Spur ihr Rückgrat hinab.
    
    Doro stand stocksteif. Sie wollte schreien und weglaufen, wagte es aber nicht, den Mann, der ihre Zukunft in Händen hielt, zu verärgern. Was wollte er von ihr?
    
    Schließlich erreichten seine ...
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