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Doro 06: Preis der Freiheit
Datum: 29.09.2024, Kategorien: Nicht festgelegt,
... nickte ihm zu. „Nein, Sie haben nichts falsch gemacht. Es liegt an mir. Tut mir leid." „Kein Problem. Kommen Sie, ich bringe sie hier weg." Er streckte einen Arm aus, um sie zum Wagen zu führen, aber sie zuckte zurück. „Ich gehe lieber alleine." Sie stakste zur Limousine, deren Beifahrertür er für sie aufhielt. „Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Dorothea Höker." „Ich weiß." Er hob den Umschlag hoch und zeigte grinsend auf dessen Vorderseite, auf die jemand ihre persönlichen Daten gekritzelt hatte. An dem braunen Papier war der Kugelschreiber angeklipst, mit dem sie die Formulare unterschrieben hatte. Höhnisch hatte der Anstaltsleiter ihn ihr überlassen und dafür ihren Schlüpfer wir eine Trophäe eingesackt. * Das Gefängnis war einige Kilometer außerhalb der Stadt gelegen und links und rechts der Straße zog eine für Doro unbekannt Landschaft vorbei. Ohnehin schenkte sie der Umgebung keinerlei Aufmerksamkeit. Sie war voll und ganz mit sich selbst beschäftigt. Es fühlte sich irreal an, dass sie plötzlich im Freien war, sich jederzeit entscheiden könnte, auszusteigen und hinzugehen, wohin sie wollte. Doch wohin wollte sie denn gehen? Mit einem Mal fehlte ihr der geregelte Tagesablauf, fehlte ihr Tanja, die ihr sagte, was sie zu tun hatte. Sie machte sich in dem Autositz ganz klein und sah auf ihre Füße. Wie sollte sie nur in ein selbstbestimmtes, normales Leben zurückfinden? Der Fahrer versuchte mehrmals, ein Gespräch ...
... anzufangen, wurde aber nur mit einsilbigen Antworten abgespeist, wenn überhaupt. Mit der Zeit entwickelte sich eine unangenehme, bedrückende Stille im Wagen. Nachdem sie eine Weile schweigend gefahren waren, bog Thomas von der Straße auf ein offenbar verlassenes Fabrikgelände ein. Ein windschief in den Angeln hängendes, rostiges Tor bildete die Einfahrt durch den hohen, von Ranken überwucherten Zaun. Erst als das Fahrzeug knirschend auf dem Kies eines abgeschiedenen Parkplatzes zum Stehen kam, hob die Beifahrerin ihren Kopf und sah sich um. Der Platz war auf drei Seiten von Hallen gesäumt, deren Rolltore durch Ketten mit Vorhängeschlössern gesichert waren. Die Fenster, allesamt mehrere Meter über dem Erdboden, waren blind und die meisten Scheiben gesplittert oder eingeschlagen. Die Dächer hingen prekär durch und machten den Eindruck, als würden sie jeden Augenblick einstürzen. Entlang der Wände reihten sich rostende Fässer. „Wo sind wir?" Es war der erste ganze Satz, der über ihre Lippen kam, seit sie abgefahren waren. „Ähm, sorry, ich habe stundenlang vor dem Knast herumgestanden, als ich auf dich wartete. Ich muss jetzt mal ganz dringend verschwinden." Noch während er redete, stand er auf. Doro ließ die vertrauliche Anrede, auf die sie sich nicht vorher geeinigt hatten, kommentarlos stehen. „Vielleicht willst du dir auch ein wenig die Beine vertreten?", meinte er und ging zügig auf eine Lücke zwischen den Gebäuden zu. Tatsächlich verspürte auch sie ein ...