1. Doro 06: Preis der Freiheit


    Datum: 29.09.2024, Kategorien: Nicht festgelegt,

    ... wenig Druck auf der Blase. Sie öffnete die Wagentür und stieg aus. Unsicher blieb sie stehen und sah sich um. Die Sonne stand am wolkenlosen Himmel und tauchte die Umgebung in grelles, schattenloses Licht. Welchen Weg sollte sie nehmen? Sie musste wieder lernen, sich selbst zu entscheiden.
    
    Der Fahrer war nach links gegangen und dort aus Ihrer Sicht verschwunden, also wandte sie sich suchend nach rechts, um ihre Privatsphäre zu wahren. In einer Nische zwischen bröckelnden Mauern und einem üppig austreibenden Brennnesselgestrüpp glaubte sie sich ausreichend geschützt. Sie hob ihren Rock an und ging in die Hocke.
    
    Ihr Kopf schnellte hoch.
    
    Was war das für ein Geräusch gewesen? Sie hatte ein leises Knirschen vernommen, als ob sich jemand oder etwas über den steinigen Untergrund näherte. Belauerte man sie? Hektisch sah sie sich um. Mit angehaltenem Atem lauschte sie, nahm aber nur das Klopfen ihres eigenen Herzens und das Zirpen der Grillen wahr.
    
    Argwöhnisch erhob sie sich und strich ihr Kleid glatt. Sie schien völlig alleine zu sein. Lediglich eine Eidechse huschte über die sonnengewärmte Wand und verschwand in einer leeren Fensterhöhle.
    
    Sich aufmerksam umschauend lief sie zurück zum Auto. Thomas lehnte an der Motorhaube und sah ihr entgegen. Er hatte das Jackett abgelegt, seinen Hemdkragen aufgeknöpft und die Krawatte achtlos in die Brusttasche gestopft.
    
    „Es ist ziemlich warm, nicht wahr?", rief er ihr entgegen, „Auch etwas zu trinken?"
    
    Er streckte die Hand ...
    ... mit der Wasserflache aus, die er zur Hälfte geleert hatte. Sie schüttelte den Kopf und studierte seine Mimik. War das Grinsen amüsiert oder anzüglich? Hatte er ihr nachspioniert, als sie sich erleichterte?
    
    Sie hatte den Eindruck, dass er sie mit den Augen auszog. Nun, das wenige, das es auszuziehen gab. Sie könnte schwören, dass er wusste, dass sie keinen Slip trug. Und sie vermutete, dass er seinen Vorteil daraus ziehen würde.
    
    Wenn er etwas von ihr verlangte, käme sie kaum umhin, es ihm zu geben. Sie war von ihm abhängig. Nur er wusste, wohin sie fahren mussten. Wenn er sie hier zurückließe, weil sie ihn zurückwies, wüsste sie nicht weiter. Sie wäre gestrandet im Nirgendwo. Mit kaum etwas auf dem Leib. Und ohne Möglichkeit, sich mit den Einheimischen zu verständigen.
    
    Seltsamerweise erregte sie diese Überlegung. Was hatte er vor? Sie strich sich mit der Zunge über die schlagartig trockenen Lippen.
    
    Er legte den Kopf schief und sah ihr direkt ins Gesicht.
    
    „Hast du wirklich keinen Durst?"
    
    Noch einmal bot er ihr das Wasser an und dieses Mal nahm sie es entgegen. Während sie trank, musterte er sie weiterhin.
    
    „Wie lange warst du drin? Ein paar Wochen, oder? Muss ganz schön schlimm gewesen sein, denke ich mir. Gerade für eine junge, hübsche Frau. Man hört ja einiges, wie es in diesen Einrichtungen zugeht."
    
    Sie setzte die Flasche ab und sah ihn entgeistert an. Sie konnte nicht verhindern, dass sie rot anlief. Sein Geplapper hatte die Erinnerung wachgerufen, was ...
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