1. Stricherabenteuer


    Datum: 25.12.2024, Kategorien: Schwule

    'Du musst verrückt sein. Was tust du hier eigentlich?!', schoss mir immer wieder durch den Kopf. Die Sonne stand tief am Horizont, und ich kam mir mehr und mehr blöde vor, als ich im kleinen Park hinter dem Ostbahnhof scheinbar ziellos auf und ab ging, während Passanten auf den geschotterten Wegen an mir vorüberzogen. Einige hatten für mich einen kurzen Blick übrig, aber die meisten gingen an mir vorbei, ohne mich zu beachten. Und dabei hatte ich mir für diesen Abend einiges vorgenommen.
    
    Seit ich in den Regionalnachrichten gelesen hatte, dass der Ebert-Park nach Sonnenuntergang ein Stricher-Problem hatte, hatte das in mir ungeahnte Gefühle geweckt. Eigentlich hatte ich nie daran gezweifelt, hetero zu sein. Aber das Kopfkino, mich von einem notgeilen Kerl kaufen und benutzen zu lassen, hatte mir auf einmal schlaflose Nächte bereitet. Außerdem konnte ich das Taschengeld gut gebrauchen. Und hier war ich nun, um meine dunkelsten Phantasien zu erfüllen. Ein 1,75 großer und bis unter die blonden Haarspitzen angespannter 18jähriger Teenboy mit an den Knien eingerissenen Jeans und einem ausgewaschenen schwarzen Hoodie ... und latschte in meinen ausgelatschten Chucks dumm herum. 'Wahrscheinlich geht hier gar nichts mehr, seit es in der Zeitung gestanden hat', dachte ich mir halb enttäuscht, halb erleichtert und rang mit mir, ob ich die Segel streichen oder zumindest noch ein bisschen das aufregende Stricher-Gefühl genießen sollte.
    
    Da bemerkte ich im Zwielicht einer Hecke einen ...
    ... jungen Mann, der mich eisig musterte. Mein Herz wollte in der Brust explodieren, trotzdem versuchte ich gelassen zu wirken. Lange passierte nichts. Es wurde nur leerer hier im Park, nachdem die Sonne untergegangen und die Anlage in das diffuse Licht der Laternen getaucht war. Nur das Klientel schien sich zu ändern. Von den Männern, die nun im Park spazierten, hatten es manche deutlich weniger eilig, als noch vor einer halben Stunde. Ich fühlte eher als dass ich es sah, dass ich und meine mutmaßlichen Konkurrenten, die nun schon zu zweit waren, wie Frischfleisch beäugt wurden. Als mich ein Mann ins Visier nahm und einen Herzschlag später auf mich zuschritt, packte mich die Panik. Hektisch wandte ich mich von ihm ab und ging ein paar Schritte weg.
    
    Der Kerl machte einen weiten Bogen, als hätte er sich nie für mich interessiert, und ging davon. Zu dem jungen Mann an der Hecke. Ich sah eher als Schatten, wie zwischen den beiden ein paar Worte gewechselt wurde, ehe sie Sekunden später im Gebüsch verschwanden. 'Scheiße. Ich bin für so was nicht gemacht', dachte ich und pustete durch. Es war Zeit zu gehen. Aber irgendwie konnte ich es auch nicht. Ich gab mir noch fünf Minuten ... Vier ... Drei ... Zwei ...
    
    Da war wieder jemand. Der Schatten, der mich ansteuerte, wirkte hoch aufgeschossen, und dieses Mal befahl ich mir, die Ruhe zu bewahren. Ich lehnte mich mit dem Hintern an eine niedere Mauer und wartete. Erst im letzten Moment tauchte das Gesicht des Mannes aus der Dunkelheit ...
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