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Amina und der Jurist Ungewöhnliches Matching einer Partnersuche
Datum: 27.01.2026, Kategorien: 1 auf 1,
Kapitel 1 Das Jahr 2004 in Wien war für mich, Marcel, eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich war 29, promovierter Jurist, hatte nach dem Gerichtsjahr noch ein Postgraduate-Studium abgeschlossen und im Jahr davor schließlich in einem alteingesessenen Medienunternehmen eine interessante Stelle erhascht, die mir beruflich sehr zusagte. In der Arbeit lief es wie am Schnürchen. Alles, was ich mir erträumt hatte, war in greifbarer Nähe. Aber abseits der Paragrafen und Gesetzestexte gähnte eine Leere in meinem Leben. Die Frau fürs Leben - die hatte ich noch nicht gefunden, obwohl ich mich danach sehnte, seit ich denken konnte. All die Jahre während meiner Ausbildung und am Beginn meiner Karriere hatte ich die Partnersuche weitgehend hintangestellt. Es gab schlichtweg kaum Raum dafür. Ich war einfach kein Typ für lockere Bekanntschaften; ich wollte etwas Tiefes, Echtes, etwas Bleibendes. Und jetzt, hier in Wien, dieser jungen, pulsierenden Stadt, schien der perfekte Zeitpunkt gekommen. Überall sah man junge Frauen, Studentinnen, die das Stadtbild prägten. Da musste doch jemand für mich dabei sein, oder? Ich begann meine Suche auf die konservativste Art und Weise, die mir einfiel: mit Kontaktanzeigen in den Wochenendausgaben österreichischer Tageszeitungen. Jede Formulierung wurde sorgfältig abgewogen, jeder Buchstabe mit Bedacht gewählt. Ich wollte mich seriös und doch ansprechend präsentieren. Die Hunderten Euro, die mich die Schaltung jeder Annonce kostete, rissen ...
... ein tiefes Loch in mein Monatsbudget, aber ich sah es als Investition in meine Zukunft, in mein Glück. Doch das Ergebnis war ernüchternd: Entweder blieben die Antworten komplett aus oder sie waren so kurios, dass ich mich fragte, ob die Absenderinnen mein Inserat überhaupt gelesen, geschweige denn verstanden hatten. Es gab Nachrichten, die nicht ernst gemeint sein konnten, gar nach Betrug rochen, oder solche, die schlicht nicht passten und für mich daher nicht zufriedenstellend waren. Die wenigen Treffen, die sich dann dennoch ergaben, waren eine Lehrstunde in Enttäuschung. Man saß sich gegenüber, versuchte, das Eis zu brechen, ein Gespräch aufzubauen, aber es war, als würden wir aneinander vorbeireden. Kein Funke, keine Chemie, nichts, was auch nur annähernd an das Gefühl heranreichte, das ich mir vorstellte. Die Unterhaltungen verliefen im Sand und ich ging jedes Mal nach kurzer Zeit mit derselben deprimierenden Ernüchterung nach Hause. Die Frustration wuchs mit jedem gescheiterten Versuch. Ich spielte sogar mit dem Gedanken, eine dieser klassischen Partnervermittlungen einzuschalten, die es damals noch zuhauf gab. Doch mein juristisches Hintergrundwissen und die vielen Geschichten, die ich aus den Medien kannte, machten mich misstrauisch. Derartige Amor-Agenturen hatten einen denkbar schlechten Ruf; sie galten als kriminelle Halsabschneider, die mit den einsamen Herzen leichtgläubiger Menschen ein Vermögen machten. Ich hatte zu oft von überteuerten Verträgen und nicht ...