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Erregung
Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif
... anderen." Und ich tat, als sei es mir gleichgültig. Aber es war es nicht. Ich wollte wissen, worin dieses Anders bestand. Und ob Claudia das auch gesagt hatte. Oder etwas anderes. Oder das Gleiche, mit anderer Betonung. Man kann sich ja nie sicher sein, ob man wirklich gewollt war - oder nur gerade verfügbar. Ob man begehrt wurde - oder bloß funktionierte. Ob man der Eine war - oder nur der Nächste. Geschweige denn der Andere. Das klang dann schon nach Andersartigkeit, ein Widerspruch in sich: anders sein und artig zugleich. Ein Ding der Unmöglichkeit. Ich stelle mir vor, wie Claudia und Beate zusammensaßen. Im Bademantel, die Beine auf dem Sofa, eine rauchte, die andere stöhnte über ihre Männer, die andere vielleicht unter den eigenen Fingern. „Er versteht es nicht", sagte Claudia dann vielleicht. „Er will nicht, oder kann nicht." Und Beate, die erfahrenere, die hemmungslosere, antwortete: „Dann musst du es dir holen. Es gibt Männer, die wissen, was man braucht." Und Claudia, lächelnd, kaum merklich: „Ich hab einen gefunden." Oder: „Ich überlege noch." Und dann fiel mein Name. Wie nebenbei. Wie ein Teebeutel. Ins Gespräch getaucht. Nass. Ausgedrückt. Beiseitegelegt. Oder sie sagten nichts. Und das war das Gespräch. Ein Lächeln. Ein Nicken. Ein Wissen. Ohne Worte. Diese Art von weiblichem Konsens, den Männer nicht begreifen, weil sie glauben, es müsse ausgesprochen werden, was längst ...
... entschieden ist. Diese absurde Vorstellung, dass Einvernehmen ein Vertrag sei, unterschrieben, bestätigt, mit dreifachem Stempel versehen, von einem Notar beglaubigt und - wenn möglich - mit einem Gebet untermauert. Dabei war alles längst gesagt. Mit Blicken. Mit Haltungen. Mit diesem winzigen, fast unmerklichen Zurücklehnen, das alles freigibt, alles erlaubt, alles zum Fließen bringt. Nur der Mann, der Narr, der Trottel, der glaubt, fragen zu müssen. „Darf ich?" - als wäre er beim Beichtstuhl und nicht zwischen ihren Schenkeln. „Willst du?" - als wäre sie nicht längst dabei, die Lippen zu spreizen. Nicht die vom Gesicht. Die Kirche hat das natürlich zerstört. Diese jahrhundertelange Einbildung, der Wille Gottes müsse sich mit dem Willen des Mannes decken, der Wille der Frau müsse erst durch ein halbes Ave Maria genehmigt werden. Dabei war der weibliche Konsens schon immer körperlich. Immer situativ. Immer absolut. Man musste nur zusehen. Zuhören. Spüren. Und vor allem: aufhören zu reden. Aber Männer reden. Männer fragen. Männer zögern. Und Frauen - entscheiden längst. Ohne Protokoll. Aber mit Wirkung. Immer mit Wirkung. Ich spüre noch heute, wie Claudia mich beim letzten Mal ansah - dieses letzte Mal, das kein Abschied war, sondern ein Innehalten, ein Verstummen zwischen zwei Kapiteln, das nie zu Ende geschrieben wurde. Wir standen auf dem Balkon, es war Herbst, der Wind ging durch ihre Haare, sie trug diesen langen schwarzen Mantel, den sie offenließ, wie zufällig, ...