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Erregung
Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif
... aber nicht zufällig, nichts war je zufällig bei Claudia. Claudia... oder auch Beate... in diesem Zusammenhang, da gab es kaum einen Unterschied zwischen den beiden. Aber in dem Moment, da meinte ich wirklich Claudia, weil sie mir gegenüber war und nicht Beate, die mir vielleicht auch gegenüber war. Aber nicht mehr in dieser Dimension der Körperlichkeit und Vergegenwärtigung. Darunter ein Kleid, zu dünn für die Jahreszeit, zu eng für ihr Alter. Und doch - es stand ihr. Oder sie zwang es, ihr zu stehen. Das ist ein Unterschied. „Denkst du manchmal an Beate?", fragte sie. Und ich antwortete: „Nicht manchmal. Immer wieder." Und sie sagte nichts. Sie lächelte. Dieses Lächeln, das ich nicht deuten kann. Nie deuten konnte. War es Bedauern? Eifersucht? Abschied? Verlangen? Sie trat näher. Ich roch ihren Duft. Ein anderer diesmal. Pfeffer, vielleicht. Oder bloß ihre Haut, ungeschminkt, wach. Und sie sagte leise: „Sie hat viel erzählt." Ich wartete. Aber es kam nichts. Kein Was. Kein Wie. Kein Ob. Ich dachte: Sag es. Sag, was sie gesagt hat. Ob sie mich mochte. Ob sie mich auslachte. Ob sie mir vertraute. Ob sie mich empfahl. Denn ja - ich fragte mich, ob sie mich empfahl. Wie eine Sorte. Wie ein Trick. Wie ein Möbelstück: bequem, formschön, etwas altmodisch, aber zuverlässig. „Du musst ihn mal probieren", sagt Beate dann vielleicht, mit diesem nasalen Tonfall, den sie ...
... hatte, wenn sie über Sex sprach. „Er macht es so, wie du es willst. Nicht so wie die anderen. Nicht wie dein Mann." Und Claudia nickt. Fragt: „Was genau meinst du?" Und Beate lacht. „Alles." Diese Vorstellung machte mich wütend. Und geil. Und wütend, weil sie mich geil machte. Wie billig ist man, wenn man sich von einem bloßen Gedanken an eine weibliche Verschwörung erregt fühlt? Und doch. Ich stellte mir vor, wie Claudia sich vor Beate auszog. Wie sie sagte: „Zeig mir, wie er es macht." Wie sie sich selbst berührte, nach Beates Beschreibung. Wie sie sich vorbereitete. Trainierte. Für mich. Vielleicht war es anders. Vielleicht war es viel nüchterner. „Ja, ich hatte ihn auch mal", sagt Claudia. „War ganz angenehm." Und Beate lacht. „Angenehm. Du bist lustig. Ich war süchtig." Und Claudia: „War ich auch. Kurz." Und dann reden sie über Rezepte. Oder Theaterkarten. Oder das neue Yogastudio. Man wird ja entzaubert, sobald man aus dem Raum ist. MANN wird ja entzaubert! Man ist ja MANN! Aber dann war da dieser letzte Blick. Kurz vor dem Abschied. Claudia stand an der Tür, ich im Mantel, es war kalt geworden. Sie berührte meine Hand. Kurz. Nicht zärtlich. Fest. Ein Druck. Ein Zeichen. Sie sagte: „Wir sehen uns sicher wieder." Ich sagte: „Wenn du willst." Und sie: „Ich will vieles." Dann schloss sie die Tür. Langsam. Und ich stand draußen. Mit einer ...