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Erregung
Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif
... lebten als vom Stolz auf frühere Liebschaften, Liebschaften mit genau jenen Frauen, mit denen ich selbst geschlafen hatte, oder besser: die ich verführt hatte, weil sie sich hatten verführen lassen, ja weil sie es darauf angelegt hatten, weil sie von Anfang an gewollt hatten, dass es geschah, bei dieser Eröffnung, bei jenem Fest, in diesem Hotelzimmer, auf jenem Sofa, das wie alles in dieser Wohnung nach falschem Geschmack roch. Und wie sie jetzt dasaßen, die Frauen, aufgequollen, überpudert, nachlässig gewordene Fratzen, die doch einst... ach, ich weiß es noch, jede einzelne, ich könnte sie benennen, nicht dass ich es täte, nicht dass ich es jemals täte, aber ich könnte es, ich könnte es schreien, hier, jetzt, in diesen Raum hinein, und ihnen allen die Masken vom Gesicht reißen, ihnen sagen, was war, was sie waren, was sie sind, dass sie keine Künstlerinnen sind, nie waren, nur Körper, nur Lust, nur Gier nach Aufmerksamkeit, nach Begehren, nach Bestätigung durch Männer wie mich. Und da sitzen sie nun, lachen, trinken, tun, als wäre nichts, als hätten sie nicht mit mir geschlafen, als hätten sie nicht bei mir geweint, gestöhnt, gefleht, und ihre Männer sitzen daneben, in selbstgewähltem Nichtwissen, oder in dieser erbärmlichen Form männlicher Großzügigkeit, die nur möglich ist, wenn man selbst längst nichts mehr spürt, weder für die eigene Frau noch für sich selbst. Die erste war sie, ja, zweifellos, sie war die erste, und wenn ich jetzt zurückdenke, wenn ich mich ...
... zwinge, mich zurückzuerinnern, obwohl ich weiß, dass es mich krank macht, dass es mich innerlich auffrisst, wenn ich mich zwinge, diesen Abend noch einmal heraufzubeschwören, dann sehe ich sie vor mir, in diesem weinroten Kleid, das zu eng war für ihren Körper, der noch jung war, aber nicht mehr jung genug, um diese Art von Kleid zu tragen, in diesem Kleid also, das mehr verriet als verhüllte, in diesem Kleid, das sie ganz bewusst gewählt hatte, weil sie wusste, dass ich kommen würde, ja, sie wusste es, sie hatte es darauf angelegt, sie hatte sich zurechtgemacht für mich, nur für mich, obwohl sie mit diesem albernen Mann schon verheiratet war, mit diesem grotesken Kulturbeamten, diesem sogenannten Förderer, der doch nie etwas gefördert hat außer seinen eigenen Bauchumfang. Claudia hieß sie, ja, Claudia, ein Name wie aus einem französischen Roman, den sie nie gelesen hat, weil sie nie gelesen hat, nie wirklich gelesen hat, sondern sich nur mit den Titeln geschmückt hat, mit den Autoren, die sie nicht verstanden hat, die sie nie verstehen wollte. Claudia, weil sie Wert darauf legte, anders betont zu werden. Auf dem á aushauchend, einer Lust gleichkommend, einer Andeutung schon, diesem lang gezogenen aaaaah, selbst wenn es kurz geschrieben war und ohne Akzent. Hier aber, dieses Claudiá mit dem Akutakzent, ein Versprechen schon auf das, was kommen möge oder mehr noch, wie sie kommen möge oder aber ihr Kommen damit angedeutet und oft genug wohl auch vorgetäuscht hat. á á á á á á ...