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Erregung
Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif
... bevor es begonnen hatte, und ich wusste es auch, ich wusste es längst, aber ich hatte es gebraucht, diesen letzten Versuch, diesen letzten Schub, diesen letzten Griff nach etwas, das mir nie gehört hatte, und ich drehte den Kopf, ich wollte sie ansehen, ich wollte sehen, ob sie mich ansah, ob sie mich verachtete, ob sie mich verzieh, ob sie überhaupt noch da war, und da sah ich sie, sie hatte die Augen geöffnet, sie sah mich nicht direkt an, aber sie sah in meine Richtung, und ihre Pupillen waren ruhig, dunkel, keine Feindseligkeit, keine Wärme, einfach nur Blick, nur Sehen, nur Anwesenheit, und ich sagte nichts, ich konnte nichts sagen, meine Kehle war trocken, meine Lippen schwer, meine Gedanken zu laut, und da sagte sie es, sie sagte es leise, kaum hörbar, wie eine Nachricht in einem Traum, sie sagte:„Es ist nicht schlimm." Und in diesem Satz lag alles, alles, was sie mir nicht sagen wollte, nicht sagen konnte, alles Verständnis, das mich demütigte, alles Mitgefühl, das mich zerdrückte, weil ich es nicht wollte, weil ich es nicht verdiente, weil ich ein Mann war, der keinen Trost mehr verträgt, weil Trost die grausamste Form der Ablehnung ist, dieses „es ist nicht schlimm", das bedeutet:du bist alt,es ist okay,ich wusste es,ich hab's erwartet,du hast dir Mühe gegeben,aber es reicht nicht,es reicht nicht mehr,du bist nett,aber nicht genug, und ich sagte wieder nichts, ich schwieg, ich schluckte, ich starrte an die Decke, ich wollte weinen, aber ich konnte nicht, ich ...
... wollte gehen, aber ich konnte nicht, ich wollte mich auflösen, aber ich war noch da, ich war zu spürbar, zu präsent, zu nackt, und sie, sie drehte sich nicht weg, sie blieb da, aber sie war schon nicht mehr da, nicht mehr bei mir, nicht mehr in diesem Moment, sie war bei sich, in sich, mit sich, sie hatte abgeschlossen, sie hatte entschieden, sie hatte ihren Gedanken bereits abgeschlossen, und ich lag noch da, mit offenem Hemd, mit zitternder Hand, und in diesem Moment, in diesem unendlich langen, faden Moment hörte ich es, das Knarzen, das verdammte Knarzen der Tür, dieses kaum hörbare, aber unmissverständliche Knarzen, das Geräusch von Zeit, die sich öffnet, das Geräusch von Wirklichkeit, die zusieht, und ich drehte den Kopf, und ich sah sie, natürlich sah ich sie,Claudia, sie stand im Türrahmen, sie stand da wie eine Statue, wie eine Richterin, wie eine alte Freundin, wie eine Gegnerin, sie stand da mit verschränkten Armen, mit halb geöffneten Lippen, mit einem Ausdruck, den ich nicht deuten konnte, nicht wütend, nicht spöttisch, nicht überrascht, nicht enttäuscht, aber auch nicht leer, nicht neutral, nicht gleichgültig, sie stand einfach da, als wäre sie nicht überrascht, aber auch nicht informiert, als hätte sie es geahnt, aber nicht geplant, als wäre sie in diesem Moment zufällig Zeugin geworden, aber längst Zeugin gewesen, längst Teilnehmerin, längst Beteiligte, und ich starrte sie an, ich konnte nicht anders, ich starrte sie an wie einen Geist, den man gerufen hatte, ohne ...