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Erregung
Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif
... sie sagte - „ich liebe Ravel" -, obwohl sie ihn mit Debussy verwechselte. Und dann: das Schlafzimmer. Ein schmales Bett, rote Seidenkissen, schwerer Duft nach Parfum und Staub. Und sie. Und ich. Und die Lust, die sich sofort in Schuld verwandelte. Sie saß nun dort, am Kopfende des Tisches, wie eine Matriarchin mit diesem hochgesteckten Haar, das ihre Stirn entblößte, diese hohe Stirn, auf die ich damals geküsst hatte, unzählige Male geküsst, mit der ich mich nächtelang beschäftigt hatte, stundenlang, bis zur Erschöpfung, bis zum Morgengrauen, mit einem Eifer, den ich heute weder verstehe noch entschuldigen kann, weil er lächerlich war, lächerlich in seiner Inbrunst, lächerlich in seiner Ausdauer, lächerlich in seiner Konsequenz, aber auch wahr, vielleicht das Wahrste an allem, was ich ihr gegenüber je verspürt habe, wenn es denn etwas zu verspüren gab außer diesem triebhaften Rausch, der sich mit Begriffen wie Nähe oder Intimität nur unzureichend beschreiben lässt. Und ich erinnerte mich, wie ich diese Stirn nicht nur küsste, nicht nur bestaunte wie einen Altar, sondern auch sah - sah, wie sie sich spannte, wie sie glänzte, wie sie sich nach vorne senkte, wie sie in Bewegung kam, rhythmisch, langsam, zitternd, wenn sie mich mit dem Mund nahm, mit einer Kunstfertigkeit, die nichts mit Liebe, alles aber mit Wissen zu tun hatte, mit dem Wissen um mich, um meinen Körper, um mein Zittern, mein Stillhalten, mein plötzliches Verharren, wenn sie die Lippen fester ...
... schloss, wenn sie die Zunge drehte, wenn sie mich anblickte, diesen Blick nach oben warf, diesen fast mitleidigen, fast höhnischen Blick, aus einem Winkel, den nur Frauen kennen, die wissen, was sie tun, was sie auslösen, was sie in Besitz nehmen, wenn sie dort saugen, saugen wie an einem Gedanken, saugen wie an einer Schuld, die nicht ihnen gehört. Ich sah ihre Stirn damals, glänzend, leicht gerötet vom Reiben, vom Drängen, vom Atmen. Und ich sah ihren Lippenstift, dieses feine Rot, dieses viel zu feine Rot, das nicht für diese Handlung gedacht war, und das sich dennoch daran beteiligte, das verschmierte, unaufhaltsam, sich auf meinen Schaft übertrug, auf meine Haut, auf die Hände, die sie hielten, und das dennoch schön blieb, weil es von ihr war, weil es ihr Rot war, ihr Geschmack, ihr Duft, ihr Besitz, ihr Spott. Ich spürte ihre Lippen, weich, fest, feucht, fast zu feucht, und ich spürte das Enge, das kontrollierte Enge, das Einlassen, das Zulassen, das Nähren und das Verweigern zugleich. Und ich erinnerte mich, wie ich stöhnte, leise, fast unmerklich, weil es so verlangt war, weil ein lautes Stöhnen lächerlich gewesen wäre, dort, in dieser Situation, in dieser Pose, in der sie mir zeigte, was sie konnte, und mir zugleich bewies, dass ich nichts war, nichts als Fleisch, nichts als Lust, nichts als eine Reaktion, kein Gedanke, kein Widerstand, nur ein Körper, der zuckte. Und ich schämte mich. Ich schämte mich wieder, heute, in der Erinnerung, aber ich war auch erregt, ...