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Erregung
Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif
... Leere. Ich sah sie nicht, aber ich wusste es. Ich wusste, wie es aussah. Wie sie tropfte. Wie es in ihr nachzuckte. Wie die Muskeln nachgaben. Wie das Fleisch sich schloss, aber nicht ganz. Ich wusste, was dort war. Ich war dort. Und ich war nicht mehr dort. Und das war die Wahrheit. Die Nässe sammelte sich. In der Falte, auf der Haut, auf dem Laken. Es war ein Beweis. Ein sichtbarer, ein riechbarer, ein fühlbarer Beweis. Dafür, dass wir uns gehabt hatten. Dass wir uns genommen hatten. Und ich hätte es fast schön gefunden. Fast. Wenn nicht dieser andere Teil in mir gewesen wäre. Dieser Teil, der sich ekelte. Der nicht wusste, ob er stolz oder beschämt sein sollte. Der die Hand ausstreckte, um sie zu berühren, aber die Finger zurückzog, weil er nicht wusste, ob es noch erlaubt war, ob es noch erträglich war. Ich dachte: Das ist es. Der Moment. Der Moment, in dem die Lust kippt. In dem die Schönheit sich umkehrt. In dem alles, was vorher Ekstase war, nun bloß feucht ist. Glitschig. Körperlich. Ein Abdruck von etwas, das man lieber nicht mehr genau ansieht. Ein Geruch, der stärker wird, weil der Körper ihn nicht mehr aufnimmt. Ein Bild, das zu lang bleibt. Und ich wusste: Genau das ist der Punkt, an dem man begreift, was man getan hat. Nicht im Moment der Lust, nicht im Stoß, nicht im Schrei, sondern in diesem Schweigen danach. Wenn man auseinandergeht. Wenn man zurücksieht. Ich erinnerte mich an diesen einen Gedanken, diesen fernen, flüchtigen, irrsinnigen Gedanken: Wenn ...
... das alles ist, warum nicht noch weiter? Warum nicht der letzte Schritt? Nicht, weil man ihn will. Sondern weil es keine Alternative mehr gibt. Weil das Fleisch schweigt. Weil die Lust erloschen ist. Weil nur noch Zeugnis bleibt. Ich erinnerte mich, wie ich das dachte. Oder dachte, es gedacht zu haben. Und ich spürte den Ekel. Gegen mich. Gegen sie. Gegen das, was so schön gewesen war. Und nun nicht mehr war. Sondern nur noch feucht. Ich sah sie, wie sie sich langsam von mir löste. Wie sie sich aufrichtete. Wie sie mich nicht ansah. Wie sie aus dem Bett glitt. Wie sie ging. Ich sah den Abdruck. Ich sah die Tropfen. Ich sah mich selbst. Und ich wusste, das ist es, das ist die Wahrheit, das ist der Moment, in dem die Lust stirbt. Nicht in der Überreizung. Nicht im Schrei. Sondern im feuchten, kalten Geruch, der bleibt, wenn der Körper sich wieder in sich selbst zurückzieht. Und ich blieb liegen. Starr. Leer. In mir noch ein Zucken. Ein letzter, nicht mehr zuzuordnender Impuls. Und ich roch. Und ich spürte. Und ich schämte mich. Und ich liebte es. Und ich hasste es. Und ich konnte nicht aufstehen. Noch nicht. Und dann kam die Klebrigkeit. Diese langsame, unaufhaltsame Verwandlung von Wärme in Kälte, von Nähe in Fremdheit, von Lust in Ekel. Die Nässe, die eben noch das lebendigste Zeugnis unserer Verschmelzung war, wurde zu etwas, das man wegwischen wollte, schnell, mit einem Tuch, mit einem Gedanken, mit einem Akt der Reinigung, der zugleich ein Akt des Verdrängens war. ...