1. Erregung


    Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif

    ... an Beate. Ob sie das gesehen hätte. Ob sie das gewusst hätte. Ob sie es mir gegönnt hätte. Ich dachte an Claudia. Ob sie es geplant hatte. Ob sie die beiden geschickt hatte. Als Spiegel. Als letzte Figur. Und ich dachte an die Tochter. Ob sie es ahnte. Kassandra? Eine Kassandra hätte das immer gewusst und gesehen - aber selbst sie hätte sich selbst nicht geglaubt. Ob sie es denn gar selbst war. In anderer Uniform. In anderer Rolle. Ich schloss die Augen. Ich ließ sie auf mich zukommen. Ich öffnete mich, innerlich, geistig, körperlich. Und ich wusste nicht mehr, ob ich mich erinnerte, oder es gerade geschah.
    
    Ich wusste nur: Ich wollte es. Und ich wollte, dass es wehtut. Aber nur ein wenig.
    
    Und in dem Moment kam sie zurück. Nicht wirklich. Aber in mir. Beate. Mit dem Seidenschal in der Hand, den ich ihr damals um die Augen gebunden hatte, nicht grob, nicht hart, sondern wie man etwas zudeckt, das heilig ist. Ich erinnere mich, wie sie stand, nackt vor dem Handtuchtrockner, diesem weißen, glänzenden Objekt, das mehr war als Funktion, mehr als ein Möbelstück, es war das Gestell, an dem sie sich festhalten musste, an das ich sie drückte, fesselte, umklammerte, zuerst mit Worten, dann mit dem Tuch, dann mit der Hand. Sie hatte nichts gesagt. Sie hatte nur genickt. Langsam. Ohne Lächeln. Ohne Scham. Sie hatte gewartet. Und ich war ihr Richter gewesen, ihr Henker, ihr Geliebter. Alles zugleich.
    
    Ich fragte sie nichts. Ich legte ihr den Schal um. Ich zog ihn fest, nicht zu ...
    ... fest, nur so, dass sie wirklich nichts mehr sah. Ich wollte, dass sie nichts mehr sah. Ich wollte, dass sie sich mir auslieferte, nicht freiwillig, sondern in der Logik des Begehrens. Wie Justine, die sie längst in solchen Augenblicken geworden war. So wie ich der Marquis war, der ihr das antun wollte, was sie von mir wollte, dass ich ihr antun sollte, weil ich es ja wollte und... wir könnten das noch lange fortsetzen dieses Gedankenspiel.
    
    Und dann ihre Hände gefesselt, gebunden an die Querstreben von diesem weiß lackierten Handtuchwärmer, genüsslich probend, ob sie der seidigen Fessel entrinnen könnte. Soferne sie wollte und das Stopwort nicht sagen wollte oder gar vergessen hätte. Dabei war es doch einfach, man musste nur träumen können, Freud und Schnitzler verbinden, selbst wenn sich diese erstmalig zum sechzigsten Geburtstag des wahren Schriftstellers getroffen hatten. Dänemark, was sonst - keinesfalls Fidelio wie in der Verfilmung von Stanley Kubrick, wobei das „Eyes Wide Shut" schon seine Reize hatte für ähnliches, was wir hier zu zweit vollzogen. Ihre Beine - frei beweglich, sodass sie dies um meine Hüfte kreuzen und schließen könnte, wenn mir danach war, oder ihr danach, genommen zu werden, mich in sie hinein ziehen, aus der Hüfte und den Schenkeln heraus.
    
    Diese Wehrlosigkeit, die sie erregte und mich erst recht geil werden ließ. Macht und Kontrolle, die uns beide zittern ließ, erregen und Gratwanderungen begehen ließ. Ich drehte sie um, den Rücken mir zugewendet, ...