1. Die Polizistin


    Datum: 03.02.2026, Kategorien: Romantisch

    ... schob meine Gedanken an João in den hintersten Winkel meines Hirns um ihn zu vergessen. Nochmals in die Kneipe gehen sähe aus, wie wenn ich ihm nachrennen würde und das wollte ich nicht. Er war ja nur ein Mann. Und ich hatte ihn ja nur einmal gesehen und er hatte mich versetzt.
    
    João glaubte an die Liebe auf den ersten Blick, er glaubte an die Liebe. Deshalb ging er weiterhin zum Cafe, immer um sechs. Ich sah nicht mehr hin, er war nicht gekommen und das wars. João hätte mich manchmal sehen können, aber Uniformierte schaute er nicht an, er übersah mich einfach.
    
    Und dann schlug unsere Stunde. Ich hatte länger gearbeitet, kam erst um sieben raus. Um sieben verliess João das Lokal, wie immer. Ich sah ihn, er sah meine Uniform. Ich nickte ihm zu, ich stockte. Mein Hirn katapultierte die Erinnerung an João in den vorderen Frontallappen. Die Erinnerung an die Kneipe, an unsere Verabredung, an seine Augen. Ich blieb stehen.
    
    João stand verdattert da, ungläubig starrte er mich an. Er sah mich, seine Liebe und er sah meine Uniform, seinen Feind. Ich weiss nicht mehr wie lange wir einfach nur da standen bis ich sagte: "Ich habe Hunger." João erwachte aus seiner Schockstarre: "ich auch, komm mit."
    
    Er ging voraus in eine Querstrasse, wechselte zu einer Hauptstrasse. Wir warteten an einer Haltestelle, stiegen in eine Strassenbahn.
    
    Ich weiss nicht mehr viel von diesem Abend. Wir waren in einem kleinen italienischen Restaurant, ich weiss nicht in welchem. Wir mochten geredet ...
    ... haben, ich weiss nicht über was. Ich weiss nicht was wir gegessen und getrunken haben, etwas muss es gewesen sein. Ich kann mich an eine brennende Kerze in einem Flaschenhals erinnern, an seine Hand mit den langgliedrigen Fingern, die meine nahm. An seine Augen, die strahlten im Kerzenglanz, an seinen Mund, der Worte formte, an mich, wie ich ihn anstarrte, als wäre er einem Traum entstiegen.
    
    Ich weiss nicht mehr wo wir uns trennten um nach Hause zu gehen. Wir verabredeten uns wieder, diesmal mit Ort und Zeit und Tag. Ich schlief nicht ein in dieser Nacht, denn mein Herz klopfte. Ich glaubte vorher nicht an die Redewendung, dass das Herz bis zum Hals klopfen kann, jetzt weiss ich, dass es das gibt und dass man damit nicht schlafen kann.
    
    In drei Tagen würden wir uns wieder sehen, nach meiner Nachtschicht.
    
    Wir sassen eng zusammen am Flussufer. Er küsste mich das erste Mal, ich küsste ihn, er hielt mich in seinen Armen, ich lehnte meinen Kopf an seine Brust. Jetzt hörte ich sein Herz klopfen, in einem Rhythmus, der mir gefiel. Ich hätte dazu singen können. João hatte Sandwiches und Bier dabei. Wir sind Seelenverwandte, wir kennen uns nicht und doch gehören wir zusammen. Ich wollte bei ihm bleiben und er bei mir, doch wir mussten uns trennen und zur Arbeit gehen. Bevor er ging sagte er die magischen Worte: "Ich liebe dich." Bevor ich ging sagte ich ihm: "Ich liebe dich."
    
    Ich war müde, die anstrengende Nachtschicht war vorbei. João war schon zu Hause. Er hatte mir gesagt ...
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