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Alkebulan
Datum: 05.03.2026, Kategorien: Sonstige,
... und dafür teilweise bis zu einer Stunde durch die karge Landschaft streifen. Sie kannte zwar Yohimbe, Baobab, Madd und Safran, aber normalerweise wurden sie eher für medizinische Zwecke benutzt. Warum sie jetzt für das Fest von Bedeutung sein sollten, erschloss sich ihr nicht. Aber wer stellte schon Mariamas Anweisungen infrage. Zurück in der Gemeinschaft musste sie Feuerholz holen und auch den großen Kessel, der fast nie zum Einsatz kam. Mariama instruierte sie, in welcher Reihenfolge sie die Kräuter in den Sud geben sollte und wie lange alles kochen musste. Die ganze Nacht war sie damit beschäftigt. Immer wieder musste Feuerholz neu aufgelegt werden. Erst, als das Licht des neuen Tages erschien, kam Mariama erneut zu ihr. Sie probierte einen kleinen Löffel des Gebräus. Sie lächelte. "Das hast du gut gemacht, mein Kind. Das wird heute Abend etwas ganz Besonderes." Von den weiteren Vorbereitungen war Khadija ausgenommen, da sie die Nacht durchgemacht hatte. Sie schlief tief und fest und wachte erst am späten Nachmittag auf, als die Sonne Richtung Firmament wanderte. Alle Frauen waren in großer Aufregung. Die schönsten Gewänder und Kleider wurden angezogen. Auch für den Mann hat man noch ein paar Sachen gefunden, die ihm passten. So saßen sie alle im Kreis um das große Lagerfeuer. Hinter ihnen auch kreisförmig eine Reihe von Fackeln. Die Sonne war hinter dem Horizont verschwunden und der Mond, in Opposition, kam zum Vorschein. Der Himmel ein Kunstwerk aus Pink, ...
... Dunkelblau und Silber. Mariama stand auf und begann zu sprechen. Alle lauschten gebannt ob der emphatischen Worte. Ein Jeder fühlte sich angesprochen, fühlte die grundsätzliche Wahrheit, die Mariama vortrug. Dann begannen die Tänze, die Geschichten aus Äonen, die von Generation zu Generation weitererzählt werden. Essen wurde gereicht, es wurde getrunken und gelacht. Auch der Weiße, der direkt neben Mariama, Ndeye und Khadija saß, lachte mit, obwohl er nicht viel verstand. Nach einiger Zeit wurde auf Geheiß Mariamas der große Kessel herbeigeführt. Die traditionellen westafrikanischen Lauten, die Hoddus verstummten. Mariama stand nochmal auf und begann erneut zu Reden. "Wie ihr wisst, gibt es unsere Gemeinschaft schon sehr lange. Sie ist Schutz und Geborgenheit, sie ist Heimat und Familie. Aber sie ist auch nur ein Ersatz für das richtige Leben." Sie schritt langsam um das knisternde und knackende Feuer. "Weiterhin wisst ihr alle, wie sich die Welt um uns herum ändert. Aber nicht alles da draußen ist schlecht. Auch wir dürfen nicht stehenbleiben. Wir dürfen uns dem Fluss des Lebens nicht entgegenstellen, sondern wir müssen mit offenen Armen in ihm schwimmen." Ndeye und die anderen Frauen sahen sich verwundert an. "Nur einmal in 100 Jahren und nur in größter Not kann ein Ritual der Erneuerung gefeiert werden, dass im wahrsten Sinne neues Leben erschafft und den großen Kreis erneuert. Heute soll dies geschehen. Heute beginnt diese Erneuerung." Sie war beim großen Kessel ...