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Ein Schicksal auf Rädern 12
Datum: 26.03.2026, Kategorien: Widerwillen/Nichteinwilligung,
... er. Dann verschwanden sie in dem Frühlingsabend, das Klappern ihrer Pferdehufe verhallte schnell. Zurück im Haus war die Welt auf Anna und ihren Körper reduziert. Stunden zogen sich hin, erfüllt von Schreien, flüsternden Anweisungen, dem Geruch von Blut und Schweiß und heißem Wasser. Friedrich und Tom gehorchten wie Maschinen, während ihre Gesichter aschfahl wurden. Valentina, selbst von gelegentlichen Wehen durchzuckt, hielt Annas Hand, wischte ihr die Stirn und flüsterte Ermutigungen zu. Dann, in einem Schrei, der sich anhörte, als würde Holz zerreißen, war es schließlich vorbei. Anna sank zurück, atmete keuchend. In ihren Armen lag ein kleines, zerknülltes Bündel Leben, das sofort ein wütendes, aber gesundes Gebrüll ausstieß. Ein winziges Mädchen mit einem Schopf feuerroter, nasser Haare. "Eine Tochter...", flüsterte Anna erschöpft, ein strahlendes, tränenfeuchtes Lächeln erhellte ihr schmerzverzerrtes Gesicht. "Endlich... mein Mädchen..." Sie legte das Kleine sofort an ihre Brust, und das Baby begann gierig zu saugen. Friedrich stand wie angewurzelt. Er starrte auf das winzige Gesicht, auf die feinen, aber unübersehbar dichten, rötlichen Härchen, die nicht nur den Kopf, sondern auch Schultern und Rücken des Neugeborenen wie ein feiner Flaum bedeckten. Ein Schlag traf ihn mitten ins Herz. *Der irische Bastard. O'Leary.* Seine heimliche, törichte Hoffnung, Tom könnte wenigstens der Vater sein -- vielleicht, nur vielleicht --, zerstob wie Rauch im Wind. Die Beweise ...
... waren so offensichtlich wie die Sonne am Morgen. "Mein Gott", murmelte er tonlos, seine Hand zitterte, als er nach der Whiskeyflasche griff, die auf dem Tisch stand. "Sie ist... genauso haarig wie ihr Vater." Er kippte das Glas in einem Zug, der Schnaps brannte wie Feuer in seiner Kehle und löschte doch nichts von der bitteren Enttäuschung, die Tochter des hässlichen Pferdehändlers aufziehen zu müssen. Keine Minute später flog die Tür auf. Clay und Boone stürmten herein und garnicht so besoffen, wie sie es vor ihrem Aufbruch vorhergesagt hatten. Sie wirkten gehetzt, ihre Gesichter waren aschfahl unter dem Staub der Straße. Ihre Jacken waren schlampig zugeknöpft und die Hüte schief. "Packt unsere Sachen! Jetzt!" keuchte Boone, ohne einen Blick für das Neugeborene oder die erschöpfte Mutter zu verschwenden. "Pinkertons! In Plattsmouth! Sie fragen überall nach uns mit Steckbriefen aus Auburn!" Valentina verstand sofort. Ohne ein Wort zu zögern, riss sie eine kleine, schwere Ledertasche von einem Haken neben dem Kamin. Ihre Bewegungen waren ruckartig, aber entschlossen. Sie drückte sie Boone in die Hand. "Alles, was hier an Geld ist. Nimm es." Dann packte sie sein Gesicht, zog es zu sich herab und küsste ihn mit einer Leidenschaft, die alle Anwesenden schockierte. Es war kein Abschiedskuss, es war eine Besitzergreifung, eine Beschwörung. "Vergiss uns nicht, Boone", flüsterte sie gegen seinen Mund, ihre Augen bohrten sich in seine. "Vergiss dein Kind nicht." Ihre Hand lag kurz ...