1. Ein Schicksal auf Rädern 12


    Datum: 26.03.2026, Kategorien: Widerwillen/Nichteinwilligung,

    ... plötzlichen Leere, die die beiden Männer hinterlassen hatten, und von der neuen, ungewissen Bedrohung, die über der Farm und der Ranch wie ein Gewitter hing, das jeden Moment losbrechen konnte.
    
    Keine vier Wochen später, als der Frühling in voller Blüte stand und die Luft schwer vom Duft blühender Apfelbäume hing, durchbrach ein neues, gellendes Schreien die Stille der Weberschen Farm. Valentinas Zeit der Niederkunft war gekommen. Anders als Annas dramatische Sturzgeburt
    
    verlief diese Entbindung fast schweigend -- wie eine düstere, entschlossene Angelegenheit. Valentina biss sich auf die Lippen, bis Blut perlte ohne ihren Schmerzen durch Schreie hinauszuposaunen, während Tom und Friedrich hilflos danebenstanden.
    
    Anna, noch geschwächt, aber erfahren, leitete die Geburt mit ruhigen Händen. Als das kleine Bündel schließlich in Valentinas zitternde Arme gelegt wurde, lag ein Junge darin. Sein Schrei war tief und fordernd, und selbst im schwachen Licht der Öllampe waren die Merkmale unverkennbar: Ein Schopf pechschwarzer Haare, ein stämmiger kleiner Leib, der selbst im Neugeborenen-Zustand
    
    Boones kraftvolle Statur erahnen ließ. Valentina presste das Kind an ihre Brust, einen einzigen Namen flüsterten ihre blutigen Lippen: "Micah."
    
    Doch ihre Freude war überschattet von Abwesenheit. Clay und Boone blieben verschwunden. Die Wochen vergingen, und die Ungewissheit nagte wie ein Krebsgeschwür. Drei Mal die Woche
    
    ritt abwechselnd Tom oder Friedrich, auf drängen von ...
    ... Anna und Valentina, nach Plattsmouth. Sie durchkämmten Saloons, befragten Kutscher, lauschten an überlaufenen Tischen und Tresen. Die Antworten waren immer dieselben: Nein, keine gefangenen oder toten Haudegen mit ihren Beschreibungen. Die Pinkertons wollte auch keiner gesehen haben und komischerweise waren alle Beteiligten wie vom Erdboden verschluckt.
    
    "Wurden sie schon geschnappt?" fragte Valentina mit tonloser Stimme, während sie Micah
    
    an ihrer Brust wiegte, ihre Augen waren hohl vor schlaflosen Nächten. "Oder liegen sie irgendwo in einem Graben, mit einer Kugel im Rücken, während irgendein Kopfgeldjäger ihre Kopfgelder einkassiert?"
    
    Anna, die sich krampfhaft an ihre kleine, rothaarige Angel klammerte, fand keine tröstenden Worte für ihre Freundin. Die stille Angst, dass Micah, der nach Boones Vornamen benannt war, schon bei seiner Geburt seinen Vater verloren hatte, dass er ein Waise in einer gnadenlosen Welt war, legte sich wie ein eisiger Mantel über Valentina.
    
    In dieser Atmosphäre aus Hoffnungslosigkeit und Pflicht heirateten Tom und Valentina. Die Zeremonie war eine schmucklose, schnelle Angelegenheit vor dem Friedensrichter in Plattsmouth. Kein Fest, kein Hochzeitskleid und vorallem war kein Lächeln auf Valentinas Gesicht. Sie stand da in ihrem einfachen, blauen Leinenkleid, Micah hing in einer Trage an ihrer Brust, und sprach die Worte wie ein fremdes Gebet. Tom legte ihr einen schlichten Silberring an - eine kalte Berührung, die sie kaum zu spüren schien. ...
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