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Ein Schicksal auf Rädern 12
Datum: 26.03.2026, Kategorien: Widerwillen/Nichteinwilligung,
... lebhaften, leidenschaftlichen Tom nicht wieder, in dem sie sich einst verliebt hatte. Dieser neue Tom war ein strenger, kalter Prediger geworden und war eingemauert in seine rigiden Moralvorstellungen. Sie wandte sich, ohne ein Wort ab und schaukelte Micah wieder leise in der Küche. Ihre einzige Rebellion war der Name ihres Sohnes. Tom hatte darauf bestanden, ihm nicht den Vornamen von Boone zu geben."Ein Zeichen eines neuen Anfangs. In Gottesfurcht," hatt er von ihr verlangt. Valentina hatte geschwiegen, während die Papiere vorbereitet wurden. Doch als der Friedensrichter kam, um seinen Namen zu registrieren, sprach sie mit klarer, eisiger Stimme: "Sein Name ist Micah." Toms Proteste waren hinterher laut und verzweifelt gewesen. "Du kannst ihn nicht nach diesem... diesem Verbrecher nennen! Nach diesem Mann, der..." Valentina hatte ihn einfach angesehen, mit diesem leeren, durchdringenden Blick. "Sein Vorname ist offiziell Micah und sein Nachname inoffiziell Boone," wiederholte sie, jedes Wort so entgültig wie ein Hammerschlag. Und sie setzte sich durch. In dem Moment war etwas von der alten Stärke zurückgekehrt, ein letztes Aufflackern, nicht für sich selbst, sondern für das Erbe des Mannes, den sie auch liebte und der vielleicht nie zurückkehren würde. Micah Boone. Ein stummer Schrei in die Stille ihres gefangenen Daseins. Sie flüchtete sich in ihre eigene Welt, eine Welt, die nur aus diesem Kind und der Erinnerung an Boone bestand, während ihr Körper in den ...
... groben Stoffen eines methodistischen Frauengewands erstarrte und ihre Seele in der Kälte von Toms neuem Glauben erfror. Das gemeinsame Mittagessen war beendet und für Friedrich blieb keine Zeit mehr, Toms störrischen Widerstand weiter zu bearbeiten. Die Erntesaison rief mit eiserner Dringlichkeit. Für Tom bedeutete das, seine Rinder auf den satten Weiden und seiner Heuernte fett zu mästen -- in zwei Monaten würden sie in Omaha Gold wert sein. Für Friedrich jedoch war es der lang ersehnte Moment, endlich den Winterweizen einzufahren, den er mit eigenen Händen gesät und gepflegt hatte. *Geld*, dachte er, während er den leeren Planwagen zur Heimfahrt vorbereitete, *echtes Geld in den Händen zu halten, nicht nur Schuldscheine und Versprechungen.* Es war der Traum, der ihn aus Philadelphia in diese Wildnis getrieben hatte. Eine Stunde vor der Heimkehr, als die Sonne nicht mehr so unbarmherzig brannte, hielten sie an einem knorrigen Busch an. Friedrich stieg ab, um seine Blase zu entleeren. Der scharfe Geruch von Pferdeschweiß und trockenem Staub lag in der Luft. Plötzlich, als er hinab auf den staubtrockenen Boden urinierte, verdunkelte sich der Himmel über ihm. Nicht durch Wolken, sondern durch ein gespenstisches, surrendes Gewebe. Er blickte erschrocken auf -- und sein Herz setzte einen Schlag aus. Ein großer Heuschreckenschwarm, dicht wie ein lebender Teppich, zog von Nordwesten heran und fraß sich gierig in Richtung Südosten -- direkt von seiner Farm weg. Es war wie ein ...