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Ein Schicksal auf Rädern 12
Datum: 26.03.2026, Kategorien: Widerwillen/Nichteinwilligung,
... Albtraum aus Flügeln und springenden Körpern. ,,Anna!", brüllte er, sein Wasserstrahl versiegte jäh und die Panik schnürte ihm die Kehle zu. Er riss sich hoch, stürzte zum Wagen, schwang sich aufs Bock.,,HEUSCHRECKEN! ZUR FARM! SCHNELL!" Sie trieben die erschrockenen Tiere an, peitschten sie bis zur Erschöpfung über die staubige Ebene. Friedrichs Kehle war nicht nur vom Staub trocken, sondern von einer nackten, eisigen Angst um seine Ernte. Als sie endlich den Hügelkamm vor ihrer Farm erreichten, bot sich Friedrich ein Anblick, der ihm den Magen umdrehte. Seine beiden Farmarbeiter -- winzige, verlorene Gestalten in der Weite -- liefen verzweifelt umher, schlugen mit Schaufeln und Schippen auf vereinzelte, träge Heuschrecken ein, die vom Hauptschwarm zurückgeblieben waren und sich noch nicht satt gefressen hatten. Doch ihre Bemühungen waren lächerlich. Sinnlos. Denn was sich vor Friedrich ausbreitete, war die reine Vernichtung. Seine Felder. Seine kostbaren, goldgelben Weizenfelder, die heute Morgen noch in der Morgensonne gewogen und das Versprechen der Ernte getragen hatten, waren bis auf den letzten Halm kahl gefressen. Nichts als nackte, aufgerissene schwarze Erde, übersät mit den zertrampelten Resten dessen, was einmal voller Leben gewesen war. Hier und da ragte ein einzelner, abgenagter Stumpf wie ein Grabmal in den Himmel. Die Stille, nachdem das Surren des Schwarms verklungen war, war schlimmer als jedes Geschrei. Ein öder, toter Geruch nach zerstörtem ...
... Grün und Insektenkot lag schwer in der Luft. ,,Nein...", entrang es sich Friedrich, ein ersticktes Röcheln. Er glitt vom Kutschenbock, seine Beine gaben nach. Er fiel auf die Knie in den Staub, neben einer zerquetschten Heuschrecke. Seine Hände gruben sich in die karge Erde, als könnte er die Zeit zurückdrehen, als könnte er die verlorene Fruchtbarkeit seiner Felder zurückzwingen.,,Alles...", flüsterte er, Tränen der Wut und Verzweiflung brannten in seinen Augen, vermischt mit dem Staub auf seinen Wangen.,,Alles ist verloren." Anna stieg mit weichen Knien und den beiden Kindern in ihrem Arm aus dem Wagen. Ihr Schritt stockte, als sie die Verwüstung sah. Ihr Gesicht, noch gezeichnet von den Strapazen der Geburt und der Sorge um das Neugeborene, erlosch. Kein Schrei und kein Weinen wollte sich in ihr einstellen. Nur ein tiefes, erschöpftes Einatmen, als stünde sie vor einem unüberwindbaren Abgrund. Sie ging langsam auf Friedrich zu, der immer noch kniend im Staub seiner vernichteten Existenz bebte. Ihre Hand legte sich schwer auf seine Schulter. Sie sagte kein Wort. Kein Wort mehr war nötig. Ihr Blick, der über die endlose Brache schweifte, sprach Bände von einer Zukunft, die gerade in Rauch und Staub aufgegangen war. In den folgenden Tagen herrschte ein Grabesschweigen auf der Farm. Friedrich entließ seine Farmarbeiter mit hängendem Kopf und leeren Händen. Es gab nichts zu zahlen, nichts mehr zu tun. Die beiden Männer gingen wortlos, ihre Blicke waren mitleidig oder ...