-
04 Umkleide beim Sport
Datum: 26.03.2026, Kategorien: Schamsituation
... anschließend im Kinderheim war. Dass ich hier nur in Ruhe meinen Schulabschluss machen will und mir dabei keiner auf den Sack gehen soll. Dass ich nie ein Pionier war und auch nichts mit der FDJ zu tun habe. Wenn jemand wissen will, was es mit der Klapsmühle und dem Kinderheim auf sich hat, soll er sich an die Lehrer wenden. Das wars. In der Mittelreihe war die letzte Bank noch frei und ich beschloss, dass dies mein Platz ist. Auf dem Weg dorthin sah ich in erstaunte, ein paar erschrockene und viele ängstliche Gesichter. Und mir war klar, worüber die jetzt nachdachten. „Stimmen die Geschichten, die damals erzählt wurden, doch? Ist ER der Übeltäter? Passiert uns das Gleiche?“ Die Lehrerin sah echt wütend aus, nach meiner Ansprache. Der Grund für meine Unterbringung im Kinderheim ging damals wie ein Aufschrei durch die ganze Stadt. Zwar hatte Polizei und MfS alles versucht, damit nichts bekannt wurde, aber es gab zu viele Beteiligte, so sickerte einiges durch. Da aber die Tat so außergewöhnlich und schrecklich war, konnte es keiner, der nicht betroffen war, glauben. So blieben es nur dunkle Gerüchte. Von hier hinten konnte ich mir einen Überblick über die Schüler meiner neuen Klasse machen. Jungs und Mädchen hielten sich die Waage. Soll heißen, gleichviel Jungs und Mädchen. Eine fiel mir allerdings gleich auf, ‘sie war anders als die anderen‘. Sie war dunkel, nicht schwarz, eher so Schokobraun und saß in der dritten Bank der Fensterreihe. Ansonsten nichts weiter ...
... Auffälliges. Bis auf das Mädchen, welches mir im Treppenhaus am Arsch fummelte. Schon in der ersten Pause kam ein Junge auf mich zu und stellte sich mir vor und bot mir seine Freundschaft an. Irgendwie hatte ich ein Déjà-vu. Er sagte, er heiße Frederick und ich könne ihn Freddy nennen. Auch hatte ich den Eindruck, dass er, ähnlich wie Perle aus dem Kinderheim, einen leichten Schaden hat. Ich stellte später fest, dass er nur Probleme mit dem Lernen hatte und etwas langsam war beim Denken. Ich fand es aber merkwürdig und etwas eigenartig, dass mir nun zum dritten Mal so ein Junge begegnet. Alle drei hatten aber eins gemeinsam, sie waren offen und ehrlich und mir gegenüber unvoreingenommen. Um es vorauszusagen, auch er hing an mir und war der Meinung, wir wären beste Freunde. Während der großen Pause beobachtete ich die anderen Schüler. Die Jungs und Mädchen waren in Grüppchen unterteilt, die in etwa den Banden in einem Knast entsprachen. Da war die Sportfraktion, recht überheblich, aber zu feige, mich direkt anzuschauen oder anzusprechen. Denen konnte ich bald zeigen, wozu ich imstande war. Die kichernden Mädels, die immer verstohlen rüberschauen und dann leise tratschen. Son Pack konnte ich erst recht leiden. Zum Schluss die Außenseiter, Typen, die nirgendwo reinpassten oder wollten, dennoch den wehenden Fahnen der Obrigkeit folgten. Wohl eher aus Angst als aus Überzeugung. Nicht mal zu der Truppe wollte ich gehören. Für mich gab es keine Fraktion oder eine Schublade. Ich tat auch ...