1. 04 Umkleide beim Sport


    Datum: 26.03.2026, Kategorien: Schamsituation

    ... umdrehst.“ Ohne mich anzuschauen, fragte sie: „Warum sollte ich das tun?“ „Nun ja“, sagte ich, „wenn man sich schon so darstellt, also nackt auszieht, dann möchte man doch bestimmt auch von jemandem gesehen werden. Man wünscht sich doch, DU wünschst dich doch, dass dich wer anschaut. Sei ehrlich, du hättest dich doch am liebsten umgedreht. Du wolltest doch, dass wir dich sehen. Doch dann hattest du keinen Mut. Schade, du siehst nämlich recht hübsch aus. Freddy hat gesagt, dass du dich immer so umziehst. Also ist es Absicht und du würdest dich gerne zeigen, allein der Mut fehlt. Hab ich recht? “
    
    Sie blieb stehen, schaute mich an, zeigte auf die kleine Straße neben uns und sagte: „Ich muss hier lang, bis morgen.“ Sie ging die Straße runter und ich nach Hause. Unterwegs überlegte ich noch, ob sie wirklich vorhatte, sich umzudrehen. Ich war mir sicher, dass sie sich umgedreht hätte, wenn ich allein gewesen wäre. Vielleicht, so dachte ich und hoffte es, macht sie es beim nächsten Mal. Ich bin gespannt auf nächsten Donnerstag.
    
    2. Woche, erstes Mal nackt
    
    Die nächste Woche war eine ganz normale Woche, jedenfalls für mich. Ich musste nur zweimal beim Direktor Antreten. Jedes Mal vorausgegangen war eine Auseinandersetzung mit einem Lehrer. Das erste Mal im StaBü, die Abkürzung für Staatsbürgerkunde Unterricht. Da StaBü so sehr an Stasi erinnerte, wurde es von den Lehrern nicht gerne gehört. War uns aber egal. Das zweite Mal in vormilitärische Ausbildung, wie genau das Fach ...
    ... hieß, weiß ich nicht mehr. Dafür war ich viel zu selten da. Es kam immer ein Offizier der NVA zu uns in die Klasse und ging uns jedes Mal mit einem anderen Thema auf den Kranz. Mal die Grenze, also der “Antifaschistische Schutzwall“, dann die Panzer oder die Luftwaffe. Jedes Mal schwärmte er uns vor, wie schön der Ehrendienst in der NVA ist. Kurz gesagt, er wollte uns den Krieg schönreden. Er wanderte durch die Reihen und laberte irgendein Mist daher. Bis der Lappen dann plötzlich vor mir stand, mir freundschaftlich eine Hand auf die Schulter legte und mich ernsthaft fragte: „Na, freust du dich schon auf deinen Ehrendienst in der NVA?“ „So sehr wie ein Hund aufs Tierheim“, antwortete ich trocken, ohne ihn auch nur anzuschauen. Alter ist der abgegangen. Wie eine seiner Raketen. Die Klasse brach in Jubel aus und – “es kam zu tumultartigen Zuständen“, – wie es in seinem Bericht an den Direktor hieß. Da ich nicht nur mit dem Sozialismus, sondern auch mit der DDR nichts anzufangen musste, gab es regelmäßig Streit und ich stand wöchentlich mindestens einmal beim Direktor. Was konnte ich dafür, wenn sich meine Erlebnisse nicht mit den Parolen und der Propaganda deckten? Aber das würde hier zu weit führen und ist auch nicht die richtige Seite. Wie schon gesagt, eine ganz normale Woche für mich.
    
    Endlich war es Donnerstag, der Tag, auf den ich schon die ganze Woche gewartet habe. Nicht nur, weil ich den eingebildeten Sportaffen zeigen wollte, wo der Hammer hängt. Nein, es gab ja noch ...
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