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Die Kubanerin
Datum: 03.04.2026, Kategorien: Schamsituation
... irgendetwas ergeben würde. Für die Eisdiele war es noch zu kalt und auf Cafés hatte ich keine Lust. Waren um diese Uhrzeit eh mit alten Leuten vollgestopft. Irgendwann, und ohne einen Grund, stand ich vor dem Uhrenladen in der Karl-Marx-Strasse. Hier habe ich ab und zu mal Taschenuhren geklaut. Der Laden wurde von zwei alten Leuten, wahrscheinlich ein Ehepaar, betrieben. Ich habe immer nach irgendetwas gefragt, was sie eh nicht hatten, und als sie nachschauten: Hinter den Tresen gefasst, eine Schublade aufgezogen und die Uhren geklaut und weg war ich. Natürlich weiss ich, dass sich so etwas nicht gehört, auch damals schon. Andererseits habe ich nie behauptet, ein netter Mensch zu sein. Im Gegenteil. Ich war ein ziemlich schlimmes Kind. Aber das gehört hier nicht her. Da ich schon mal da war, ging ich auch rein. Es dauerte, wie immer, eine Weile bis jemand kam. In der Zeit schaute ich mir die Auslage an. Sah aus wie ein Haufen Juwelen. Jede Menge Klunkern lagen da rum. Natürlich wusste ich, dass es nur irgendwelcher Modeschmuck war. Wenn man überhaupt von Schmuck reden konnte. Dann sah ich doch etwas, was meinen Blick auf sich zog. Gerade als ich es mir genauer anschauen wollte, riss mich die Frage: „Kann ich dir helfen?“, aus meinen Gedanken. „Das da!“, sagte ich und zeigte mit dem Finger auf ein Set. Die alte Frau holte es unter der Auslage hervor und legte es vor mich hin. Es war ein Collier, ein Diadem und zwei Ohrringe (Kreolen). Das sah irgendwie schön ...
... aus. Ich stand im Laden und wunderte mich, warum ich Schmuck für Mädchen schön fand. Dass ich mich überhaupt dafür interessierte. Irgendwie machte mir das Angst. Denn ich hatte generell ein Problem damit, etwas „Schön“ zu finden. Selbst die alte Frau schaute mich merkwürdig an. Ich fürchtete… sie hatte mich als Dieb erkannt. Nein. Ok, ich beherrschte mich wieder und fragte, was der ganze Kram kostet. Sie rechnete alles im Kopf zusammen und meinte: „Alles zusammen macht sechzig Mark.“ Na, da war ich aber bedient. Wie im Trance fragte ich: „Können Sie mir das Zeug als Geburtstagsgeschenk einpacken? Schön bunt mit Schleife? In der Zeit gehe ich das Geld holen, denn so viel habe ich nicht dabei.“ Sie meinte, dass sie es gerne mache. Und schon war ich aus dem Laden. Eigentlich hätte ich jetzt einfach abhauen können und das wäre es dann gewesen. Aber nein. Draussen musste ich erst mal überlegt, wo ich auf die Schnelle das Geld herbekomme. Ich ging im Kopf alle meine Quellen für Bares durch. Für einige war es zu früh, für andere zu spät. Am liebsten hätte ich jetzt einen Stasi-Mitarbeiter – denen konnte ich leicht das Portemonnaie klauen. Ich brauchte also einen anderen Plan. Kurz überlegt und dann auf zum „Roten Ochsen“, eine Gaststätte, in der viele SED-Maden sassen. Nach einer knappen Stunde stand ich im Uhrengeschäft und zahlte die sechzig Mark. Konnte mir sogar die nächsten Wochen das Schulessen leisten. Das Päckchen sah richtig schön aus. Die Frau hat sogar eine Karte ...