1. Lust am Abgrund


    Datum: 13.04.2026, Kategorien: Reif

    ... noch immer ungeöffnet auf dem Nachttisch. Jonas war kurz einkaufen gegangen, sie hatte sich geduscht, ein wenig eingeölt, aber sich bewusst nicht angezogen. Ihre Haut fühlte sich seltsam nackt an, glatter als je zuvor, ihre Gedanken flatterten zwischen Scham und Lust, Unsicherheit und Vorfreude.
    
    Sie griff schließlich nach der Tüte, nahm behutsam die gekauften Dinge heraus -- das seidig schimmernde Toy, die leichte Maske, das Öl mit dem verheißungsvollen Duft. Doch da war noch etwas. Ein gefalteter, zart cremefarbener Umschlag. Kein Firmenlogo, nur ihr Name -- handgeschrieben, in tiefroter Tinte.
    
    Frieda.
    
    Sie schluckte. Zögerte einen Moment. Dann öffnete sie ihn. Eine elegante Karte glitt heraus, das Papier dick, fast stofflich. Die Schrift kalligrafisch, sinnlich geschwungen:
    
    „Für reife Früchte und junge Triebe,
    
    die das Leben in vollen Zügen kosten wollen.
    
    Ein Abend, der keine Vergangenheit kennt,
    
    nur Begierde, Körper, Blick und Lust.
    
    Maskenpflicht. Namen sind verboten.
    
    Adresse nur auf Nachfrage.
    
    Sag Jonas: Carla lädt euch ein."
    
    Frieda hielt den Atem an.
    
    Eine Mischung aus Nervosität, Verführung und Rebellion durchzog sie. Hatte Carla sie geprüft? Oder gesehen? Oder einfach gespürt, dass in Frieda mehr war -- etwas, das sich bisher nur zaghaft zeigte?
    
    Als Jonas zurückkam, legte sie ihm die Karte wortlos in die Hand. Er las. Runzelte die Stirn. Lächelte dann breit.
    
    „Sie ist clever", murmelte er.
    
    „Du kennst sie besser?"
    
    „Ich ...
    ... kenne nur ihren Ruf. Carla organisiert sogenannte ‚Unbeobachtete Nächte' sehr diskret, sehr ausgesucht. Es geht nicht einfach nur um Sex. Es geht um... Wahrhaftigkeit. Wünsche. Rollen, die wir in der Welt nicht spielen dürfen. Aber dort..."
    
    Frieda starrte ihn an. Ihr Herz pochte laut.
    
    „Und du willst... mich da mitnehmen?"
    
    „Nein. Ich will, dass du mich dorthin führst. Wenn du bereit bist."
    
    Sie schwieg lange. Dann griff sie zum Telefon.Carla antwortete beim ersten Klingeln.
    
    „Ich hab's gehofft", sagte sie einfach, als Frieda ihren Namen nannte. „Ihr seid auf der Gästeliste. Freitag, 22 Uhr. Tragt Schwarz. Und tragt nur das, was ihr auch bereit seid auszuziehen."
    
    Dann legte sie auf.
    
    Die Tage bis Freitag vergingen wie im Rausch. Frieda kaufte sich ein schlichtes schwarzes Kleid, das hinten tiefer geschnitten war als vorne, dazu eine seidige schwarze Maske mit dezenten Goldverzierungen. Jonas trug ein Hemd, das sich leicht öffnen ließ, und eine dunkle Samtmaske, die ihn unkenntlich, aber unwiderstehlich machte.
    
    Als sie gemeinsam ankamen, wurden sie getrennt -- wie angekündigt. Keine Paare, keine Zugehörigkeit. Nur Rollen. Verführung. Fremdheit.
    
    Die Villa war diskret, von außen kaum auffällig. Drinnen jedoch: gedämpftes Licht, goldene Spiegel, schwere Stoffe. Musik, die vibrierte wie ein Herzschlag. Und Körper -- jung, alt, trainiert, rund, geschmückt, nackt. Manche standen, manche tanzten, manche lagen. Niemand sprach. Man sah. Und wurde gesehen.
    
    Frieda ...
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