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Verdorben - Fang mich, wenn du kannst
Datum: 24.04.2026, Kategorien: Reif
... auch nur ein Wort sagen muss. Ich schließe meinen Spind, schnappe mir meine Tasche, und blicke noch einmal in den Spiegel. Ich streiche mir die Haare zurecht, ziehe meinen Lippenstift nach, knallrot, genau richtig für den Plan, den ich habe. Die Tür zum Feierabend steht weit offen, und ich trete hinaus, lasse den Personalraum und die ganze scheiß Arbeitswoche hinter mir. Das Wochenende gehört mir, und ich werde es mir nehmen, Stück für Stück, ohne Rücksicht auf Verluste. Franzi und ich haben uns verabredet, um ordentlich einen draufzumachen. Wir starten in einer dieser schummrigen Kneipen, wo es immer nach abgestandenem Bier und Zigarettenrauch riecht, auch wenn seit Jahren nicht mehr drin geraucht werden darf. Der Barkeeper kennt Franzi schon, wirft ihr ein kurzes Nicken zu, und die Drinks stehen schneller auf dem Tisch, als wir "Prost" sagen können. Der Abend läuft gut an, die Drinks fließen, und wir fangen an, die anderen Gäste zu mustern - mal sehen, was sich so ergibt. Nach einer Weile lehnt sich Franzi plötzlich zu mir rüber und zischt mir ins Ohr: "Da drüben, der Typ in der Jeansjacke - das ist doch Tobi, den kenne ich noch von damals!" Ich folge ihrem Blick und sehe einen Typen mit breiten Schultern und einem lauten Lachen, der gerade mit zwei Freunden am Tresen steht. Franzi springt auf und winkt ihm, als wäre sie auf einer scheiß Reunion-Party. Er sieht uns, hebt die Brauen, und dann kommt er rüber, breit grinsend. "Franzi! Lange nicht gesehen! ...
... Was macht ihr denn hier?" Sie labern kurz über die alten Zeiten, und ich lasse meinen Blick über die anderen Typen schweifen. Die beiden Freunde von Tobi sehen ganz okay aus - so ein bisschen verwuschelt, bisschen nerdy, aber mit diesen Augen, die nach einem Abend mit viel zu viel Alkohol schreien. Schnell sind die ersten Sprüche ausgetauscht, und die Drinks gehen auf sie. Tobi labert irgendwas von einer Studentenparty, die weiter oben in der Straße stattfindet, und Franzi ist sofort Feuer und Flamme. Sie drückt mir ihren Arm in die Seite und grinst: "Komm schon, das wird geil!" Ich zucke erst mit den Schultern, lasse mich aber schnell anstecken, vor allem, weil ich keine Lust habe, den Abend jetzt schon zu beenden. Also stimme ich zu, und ehe ich mich versehe, ziehen wir los - Tobi und seine Kumpels vorneweg, Franzi und ich hinterher, immer noch lachend und halb schwankend durch die Nacht. Wir landen vor einem abgefuckten Altbau, der eher nach vernachlässigtem WG-Wahnsinn aussieht als nach irgendeinem Partymekka. Der Flur ist dunkel und eng, Wände voll mit Postern und Kritzeleien, und die Wohnungstür steht offen. Das Wohnzimmer ist vollgestopft mit Leuten, und ich lasse mich auf die Couch fallen, die bei jedem Satz ein erbärmliches Knarzen von sich gibt. Die Luft ist schwer von zu vielen Menschen in einem viel zu kleinen Raum, und das Aroma von billigem Bier mischt sich mit dem stechenden Geruch von Gras, der irgendwo aus einer Ecke herüberzieht. Überall stehen ...