1. Ein erzwungenes Leben als Frau 2


    Datum: 29.04.2026, Kategorien: Transgender,

    Als ich an jenem Morgen mit meinem Rad aufbrach, um zu Heinrichs Anwesen zu fahren,
    
    war ich mir meiner eigenen Motive nicht ganz bewusst. Natürlich war es zum einen meine Furcht Heinrichs Prophezeiung, mir könnte schlimmes Zustoßen, wenn ich mich meiner, angeblich durch die Vorsehung geforderten Aufgabe nicht stellte, könne zutreffen, aber zum anderen, fühlte ich auch deutlich in mir, das Verlangen, mich einem fordernden Herrn, als Frau unterzuordnen.
    
    Die Aussicht, ich würde als Frau zurechtgemacht in Heinrichs Haushalt dienen müssen, war sehr verlockend für mich. Und dann sogar noch als indigene Squaw sozusagen, das war besonders spannend für mich, hatte ich mich doch damals, als ich den Winnetoufilm im Fernseher sah, nicht in Winnetou, den stolzen, edlen Apachenhäuptling oder in Old Shatterhand, den jederzeit schussbereiten, schlauen Trapper versetzt, sondern in Nscho-tschi, Winnetous Schwester, das schwache, hilflose Weib.
    
    Damals, als der Film im Fernsehen ausgestrahlt wurde, war gerade Fasching gewesen und so bat ich meine Mutter, mir ein Nscho-tschi-Kostüm zu nähen. Tagelang spielte ich nach, wie ich als Nscho-tschi von dem bösen hinterhältigen Santer ermordet wurde. Dies bereitete mir seltsam prickelnde Wonnen. Sogar in meinen Träumen sah ich seinen todbringenden großen
    
    Revolver ganz dicht vor meinen Augen aufblitzen.
    
    Noch heute, wenn ich Mario Adorf sehe, der damals in dem Film den Bösewicht Santer verkörperte, überlaufen mich furchtsam wohlige ...
    ... Schauer.
    
    Welches Kostüm würde Heinrich wohl für mich bereithalten?
    
    Erst jetzt bemerkte ich, dass Heinrich gewisse Ähnlichkeiten mit Mario Adorf hatte. Das war doch sicher auch kein Zufall. Diese Erkenntnis ließ mich mehr und mehr annehmen, je näher ich Heinrichs Hof kam, ich befände mich nun in einer von fremden Mächten gesteuerten Geschichte, deren Ereignisse unweigerlich ablaufen würden, und aus der es für mich keine Möglichkeit des Entrinnens mehr gäbe. Ich würde mich in allem unter Heinrichs Willen fügen müssen, nur so konnte ich jetzt noch Schaden begrenzen.
    
    Gerade als ich, auf den nachlässig betonierten und schon arg ramponierten Feldweg einbog, der schnurstracks zu Heinrichs Hof führen würde, bemerkte ich, dass mein Vorderrad doch einen argen Achter hatte, von dem Aufprall des Wildschweins gestern Abend vermutlich. Alles war so schnell gegangen, ich hatte das Schwein kaum als ein solches identifizieren können.
    
    Ich stieg kurz ab, um den Reifendruck zu prüfen und die Festigkeit der Reifenhalterung zu beurteilen, da fiel mein Blick auf eine Szene auf einer Wiese nebenan. Ich sah, wie ein zottelig wirkender alter Mann einen Schafsbock, der sich ihm wohl in den Weg gestellt hatte, an den krummen Hörnern auf den Boden rang und sich danach blitzschnell ein Lamm schnappte.
    
    Der Alte war stärker und behänder, als sein vermeintliches Alter es vermuten ließ.
    
    Plötzlich trafen sich unsere Blicke und ich muss wohl so fragend dreingeschaut haben, dass der Alte sich jetzt ...
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