1. Ein erzwungenes Leben als Frau 2


    Datum: 29.04.2026, Kategorien: Transgender,

    ... genötigt zu sein schien, mir zuzurufen.
    
    „Ein Bock, der muss kastriert werden."
    
    Dabei bleckte er seine Zähne, zu einem drohenden halben Lächeln. Ich, der ich mir nun vorkam, als hätte ich ihn zu einem Geständnis genötigt, das er nur widerwillig und unwirsch abzugeben bereit war, erschrak etwas, ob meiner vermeintlichen Dreistigkeit und schwang mich schleunigst aufs Rad um weiterzufahren. „Ja, fahr nur, wird besser sein", hörte ich noch hinter mir. Hatte ich den Mann verärgert? Das war sicher nicht meine Absicht gewesen.
    
    So, etwas ängstlich gestimmt, fuhr ich pünktlich auf Heinrichs Hof.
    
    Der Herr des Hofes stand schon groß breit und maskulin an der Eingangstür des Hauses bereit und der Wolfsspitz bellte und kreiste wie gestern.
    
    Als Heinrich mich sah, ging er kommentarlos hinein, wohl wissend, dass ich ihm schleunigst folgen würde. Freilich sparte er sich einen Morgen-Gruß, scheinbar war meine Stellung ihm gegenüber viel zu gering für solche Höflichkeitsfloskeln.
    
    Ich erinnerte mich jetzt daran, dass Heinrich damals, als ich ein Knabe war, schon starken Eindruck auf mich gemacht hatte. Er, der Cousin meines Vaters, saß bei Feierlichkeiten der Familie gewöhnlich groß, breit und Respekt erheischend an der Stirnseite der Tafel und dozierte über religionsphilosophische Themen, die kaum einer hören wollte. Die Ignoranz der Familie, die seine studierte Überlegenheit offensichtlich nicht anerkennen wollte, bewog ihn irgendwann, den Festen fernzubleiben. Für einen ...
    ... großen Geist ist es nicht leicht, vor Mittelmäßigen zu bestehen. Man verlor sich gänzlich aus den Augen. Jetzt, viele Jahre später, war ich durch Zufall wieder an Heinrich geraten und die Familienbande waren doch noch so gut und unverbrüchlich, dass er mich nicht wegschickte, sondern sogar für wichtige Studien heranzuziehen gedachte. Wie hätte ich mich dagegen sperren können?
    
    Ich legte mein Rad einfach hin, denn zum ordnungsgemäßen Abstellen war nun wirklich keine Zeit, ich durfte Heinrich auf keinen Fall warten lassen. Im Haus dirigierte er mich in die schlecht beleuchtet Wohnküche und zeigte auf den Tisch auf dem mehrere Pappschachteln abgestellt waren.
    
    „Zieh das an und melde dich danach bei mir drüben im Arbeitszimmer, ich werde dir dann eine Einführung geben, was ein Transgender-Schamane ist, was seine Aufgaben sind und warum es so wichtig ist, dass er von vorneherein kapiert, dass er von nun an eine Frau sein muss und denken und fühlen muss wie eine solche, sonst ist er oder besser gesagt sie, nicht in der Lage, ihre spirituellen schamanistischen Ziele zu erreichen und dafür machen wir ja das Ganze.
    
    Also, hopp!" brummte er und schon war er aus der Wohküche draußen. Widerworte erwartete er offensichtlich von einer Squaw nicht.
    
    Da in meinem Wesen schon immer der Hang zur Unterordnung unter reife Herren angelegt war, solange ich denken kann, besonders wenn sie geheimnisvoll und finster wirkten, wie Heinrich, war von mir kein Widerstand zu erwarten.
    
    Ich fügte mich ...
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