1. Anna -Teil drei- das Büro


    Datum: 30.04.2026, Kategorien: Schamsituation

    ... dem Strumpfhaltergürtel aus zarter Spitze und den echten, hauchdünnen Nahtnylons. Dieses Ensemble war nicht nur eine Vorschrift, es war ein Vermächtnis. Der Gründer der Kanzlei, der alte Dr. Walter Senior, hatte diesen Dresscode vor fast sechzig Jahren eingeführt. Damals war es der Gipfel der Eleganz, ein Ausdruck von Seriosität und Stil. Er wollte, dass seine weiblichen Angestellten einen absolut einheitlichen, makellosen und gepflegten Eindruck auf die hochkarätige Klientel machten. Was damals modisch war, wirkte heute fast anachronistisch, wie aus der Zeit gefallen. Doch genau das war zum Markenzeichen unserer Kanzlei für Wirtschaftsrecht geworden. Es signalisierte Beständigkeit, Tradition und einen unerschütterlichen Qualitätsanspruch.
    
    Ich setzte mich auf die Bettkante und zog den ersten Strumpf langsam über mein Bein, wobei ich peinlich genau darauf achtete, dass die dunkle Naht perfekt gerade an der Rückseite meiner Wade und meines Oberschenkels verlief. Im Büro gab es natürlich die üblichen kleinen Sticheleien. Die älteren Kolleginnen, deren Körper die Spuren von Jahrzehnten trugen, blickten oft mit einer Mischung aus Neid und Missbilligung auf mich und meine gleichaltrige Kollegin Nina. Doch trotz dieser kleinen Rivalitäten vereinte uns die Uniform. Das tägliche, fast rituelle Anlegen der Strümpfe, das vertraute Klicken der Halter, das Rascheln der Seide – es war eine geteilte Erfahrung, die uns zu einer Art stillen Schwesternschaft verband. Es erfüllte uns alle ...
    ... mit einer gewissen Portion Stolz, Teil dieses erlesenen, erfolgreichen Teams zu sein. Und ich musste zugeben, ich hatte meine Berufskleidung lieben gelernt. Sie war eine andere Art von Rüstung, eine andere Art von Fetisch.
    
    Ich befestigte die acht Clips des Gürtels am oberen Rand der Strümpfe. Dann schlüpfte ich in den engen, hoch taillierten Bleistiftrock aus grauem Wollstoff. Er zwang meine Hüften in eine sanft wiegende Bewegung und zeichnete an den Oberschenkeln die zarten, verräterischen Umrisse der Strumpfhalter-Clips ab – ein Detail, das von außen züchtig und von innen unanständig war. Darüber kam die hochgeschlossene, cremefarbene Seidenbluse. Zum Schluss die schwarzen Pumps, die mit ihrem 8-Zentimeter-Absatz meine Haltung sofort veränderten und mich in die Rolle der perfekten Sekretärin zwangen.
    
    Ich trat vor den Spiegel. Die Verwandlung war abgeschlossen. Fräulein Anna war bereit für ihren Auftritt. Nichts an ihr verriet die Göttin der Nacht, außer dem winzigen, unsichtbar in die Nase geklappten Septum-Piercing und dem kühlen, geheimen Gefühl von schwarzem Latex auf meiner Haut. Mit einem letzten, wissenden Lächeln nahm ich meine Handtasche. Das Klicken meiner Absätze auf dem Parkett war der erste Takt der Symphonie des Montags.
    
    Das schwere, messingpolierte Portal der Kanzlei Dr. Walter & Partner schloss sich hinter mir und schluckte den Lärm der Straße. Augenblicklich war ich in einer anderen Welt. Die Luft hier roch nicht nach Abgasen und Backwaren, sondern ...
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