1. Julias Weg - Kap. 1


    Datum: 06.05.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... und kam näher. „Gehen wir noch irgendwo hin?", wollte er wissen.
    
    „Nein, ich muss jetzt wirklich nach Hause. Es ist gestern schon so spät geworden."
    
    Er küsste Julia noch mal zärtlich auf den Mund, ihre Lippen öffneten sich sofort und ließen es zu. Wie ein Blitz zog es in ihren Schritt. Er küsste so gut, schlang einen Arm um sie und drückte sie an sich heran. Sie spürte seine Erektion oberhalb ihres Venushügels. Seine andere Hand wanderte zu ihrer Brust. Er streichelte sie, drückte sie. Sein Daumen strich über ihre Brustwarze. Sie stöhnte leise in seinen Mund, während ihre Zungen miteinander tanzten.
    
    Sie musste nach Hause!
    
    Mit ihrer Hand schob sie seine von ihrer Brust, löste den Kuss und schaute ihm in die Augen.
    
    „Ich muss jetzt wirklich los, Emre!"
    
    „Ich weiß!", antwortete er. „War wirklich schön heute mit dir."
    
    Julia lächelte verlegen. „Wir sehen uns morgen bei der Arbeit." Sie drehte sich um und ging Richtung Hauptbahnhof.
    
    Von gehen konnte allerdings kaum noch die Rede sein, sie wankte mehr und hatte Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten. Sie verfluchte die High Heels in diesem Moment. Jeder Schritt war deutlich hörbar und der ein oder andere schaute sich nach ihr um. Die Blicke machten sie nervös, weil es ihr grundsätzlich unangenehm war, aufzufallen.
    
    Als sie die Eingangshalle erreichte und dort den Hall nach wenigen Schritten hörte, bekam sie zu viel. Sie stellte ihre Tasche ab, suchte ihre Sneakers raus und zog sie mit einem ...
    ... Balanceakt an, ohne den dreckigen Boden zu berühren. Zufrieden packte sie die High Heels in die Tasche und ging zur U-Bahn-Station.
    
    Ihr fiel heute wieder der abartige Geruch nach Urin auf. Sie erinnerte sich an den gestrigen Abend und war froh, dass sie imbona'me noch auf der Toilette war. Sie lächelte und im gleichen Moment dachte sie, was sie doch für eigenartige Assoziationen herstellte. Sie schlug sich mit der Hand vor den Kopf.
    
    Mit den Sneakers fühlte sie sich deutlich wohler und erreichte pünktlich ihre Bahn. Als sie sich setzte, fiel ihr auf, dass ihr Shirt wieder hochgerutscht war und man ihren Tanga sehen konnte. Ihr gegenüber über saß ein älterer Ausländer, der seine Blicke nicht von ihr lassen wollte.
    
    Sie schloss einfach ihre Augen und dachte an Emre. Wie er sie geküsst hatte, wie sehr ihr das gefallen hatte.
    
    Julia blinzelte durch ihre Augen und sah, dass der Typ noch immer zu ihr schaute. Sie hatte die Nase voll, stand einfach auf und ging ein paar Meter zur nächsten Tür. Sie hielt sich an einer Stange fest und ignorierte den Mann.
    
    Stattdessen schaute sie in die andere Richtung in das Abteil. Auch dort das gleiche, nur mit etwas jüngeren Typen. Sie fragte sich, warum plötzlich insbesondere Ausländer sie angeierten. Hatte sie irgendwelche unbewusste Zeichen gesendet? War es ihr bisher einfach nicht aufgefallen oder gar egal?
    
    Sie vermied jeglichen Augenkontakt und wartete einfach darauf, dass die Ansage in der Bahn „Nächster Halt Vahlenkamp" verlauten ...