1. Schulden


    Datum: 10.05.2026, Kategorien: Reif

    ... mich bei einem gemeinsamen Essen mit der Idee, dass er eine eigene Firma eröffnen wollte. Er war in Peters Unternehmen der Leiter der Einkaufsabteilung; seine Idee bestand darin, den Einkauf als Dienstleistung anzubieten, dabei erheblich effizienter zu arbeiten, als er es von vielen Unternehmen her kannte. Von dieser Differenz und von einer Konditionenverbesserung, die er sich mit seinen Kunden teilen wollte, stellte er sich vor, leben zu können. Michael, den ich als immer realistischen und bodenständigen Kollegen wahrgenommen hatte, überzeugte mich mit dieser Idee auf der Stelle.
    
    Bereits wenige Tage später berichtete er mir abends, dass er heute mit Peter gesprochen hatte. Dieser wäre zwar sehr überrascht gewesen, verstand Michaels Ansatz auf der Stelle, bot ihm spontan an, sein erster Kunde zu werden.
    
    Michael setzte seine Idee dann tatsächlich wenige Monate später um, Peter ließ sogar noch einen Mitarbeiter mit ihm gehen, ohne dass es zwischen ihnen zu einem Zerwürfnis kam.
    
    Michaels Unternehmen nahm so schnell und erfolgreich Fahrt auf, dass er bald Verstärkung brauchte und dann mich fragte, ob ich nicht auch bei ihm anheuern würde.
    
    Mir kam es nur richtig vor, nachdem Michael ausgeschieden war, Peter und ich längst getrennt waren, beruflich natürlich weiterhin professionell zusammenarbeiten mussten, was gut funktionierte, dass es auch für mich langsam Zeit für einen Wechsel wäre. Als ich dann schließlich bei Peter persönlich kündigte, lachte er fast. „Ich hätte ...
    ... nie gedacht, dass du noch so lange bleibst und wir so gut zusammenarbeiten würden ... Ich zolle dir meinen größten Respekt!"
    
    An meinem letzten Arbeitstag gingen wir beide mittags essen. Zum Abschluss überreichte er mir ein Geschenk. Als ich es öffnete, traf mich nahezu der Schlag: Es war eine rote, lederne Schachtel, das Emblem kannte ich gut. Als ich sie mit hochrotem Kopf öffnete, erblickte ich eine kleine silberne Armbanduhr, die ein schwarzes Lederarmband hatte. „Peter ... du beschämst mich!" „In meinen Augen hast du viel, viel mehr verdient ...". Ich hatte Tränen in den Augen und dankte ihm von ganzem Herzen.
    
    Abends zeigte ich Michael mein Geschenk, das ich von Peter zum Ausscheiden bekommen hatte. Er stieß einen kleinen Pfiff aus, „Wow ... wunderschön, freut mich für dich! Wirst du sie tragen?" „Würde es dich stören?" „Nein, absolut nicht ... es ist dein Geschenk, das du für viele Jahre bester Arbeit bekommen hast ..." „Dann trage ich sie ..." „Mach das unbedingt!"
    
    Damit wurde Peters Uhr zu etwas, was ich seitdem täglich trug, von wenigen Ausnahmen mal abgesehen.
    
    Von einer ehemaligen Kollegin, zu der ich nach unserem Ausscheiden aus dem Betrieb immer noch Kontakt gehalten hatte, erfuhr ich eines Tages, dass Peter sich von seiner Frau getrennt hatte. Es traf mich wie ein Keulenschlag, ich war erschüttert und am Boden bestürzt. Schnell wurde mir klar, dass der Schmerz mehrere Wurzeln hatte. Es tat mir für Peter unendlich leid, ich spürte aber auch sofort eine ...
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