1. Anastasia Serinskaya - Die Agentin Teil 1


    Datum: 19.05.2026, Kategorien: Romantisch

    ... wie man sein kann."
    
    Damit stoße ich mich ab und er tut es mir gleich. Ich suche die Ideallinie und lasse mich zunächst vom Wasser treiben. Ich will mir anschauen, wie er sich schlägt.
    
    Am Anfang hat er sichtlich Mühe, sein Kajak zu steuern. Er kann aber offenbar recht schnell seine früheren Erfahrungen abrufen und verbessert sich zusehends. Ein echter Profi ist er allerdings noch nicht.
    
    Immer wieder schaue ich zurück und kontrolliere, was er macht. Ich bin in einem Dilemma. Wenn ich mich hinter ihn zurückfallen lasse, könnte ich ihn besser im Auge behalten, wenn ich aber vorne bin, kann ich die Ideallinie suchen und vorgeben. Außerdem kann ihn dann besser retten, sollte er ins Wasser fallen und abgetrieben werden.
    
    Ich entscheide mich, vorne zu bleiben und drehe mich eben öfter mal um. Das fällt irgendwann auch ihm auf.
    
    "Du musst nicht ständig schauen, was ich mache und wo ich bleibe", beklagt er sich.
    
    "Ich schaue dich nur so gerne an", gebe ich Kontra.
    
    "Ja, ja! Sicher!", lacht er.
    
    Es ist für mich zwar etwas anstrengend, weil ich auch voll konzentriert bleiben muss, aber ich hoffe, dass es in den nächsten Tagen einfacher wird.
    
    Zu Mittag suche ich eine seichtere Stelle und lasse mich ans Ufer treiben, um an Land zu gehen. Sam schafft es auch und wir setzen uns ins Gras. Ich hole etwas zu Essen aus meinem Rucksack und bereite ein einfaches Mahl vor. Sam wirkt etwas müde.
    
    "Wie geht es dir?", frage ich vorsichtig.
    
    "Wenn ich gewusst hätte, wie ...
    ... anstrengend das ist, hätte ich es mir vermutlich noch einmal überlegt."
    
    "Weichei!", necke ich ihn.
    
    "Dass dir so etwas nichts ausmacht, das ist mir klar. Du bist trainiert."
    
    "Bei meinem Beruf ist das wichtig."
    
    "Warum lasse ich mich auch mit einer Agentin ein."
    
    "Du hast dich mit mir eingelassen?", frage ich süffisant lachend.
    
    "Sind wir nicht Freunde?", kontert er.
    
    "Was verstehst du darunter?"
    
    "Jetzt sind wir auf schwierigem Terrain", meint er ausweichend.
    
    "Was bin ich für dich?", bleibe ich beim Thema.
    
    "Können wir das heute Abend am Lagerfeuer in Ruhe besprechen? Ich denke, dafür ist die Mittagspause zu kurz, wenn wir das Ziel erreichen wollen, das du vorgegeben hast."
    
    "Ist die Frage so schwierig?"
    
    "Eigentlich ist sie einfach, aber ich weiß noch nicht, wie ich es ausdrücken soll und wie du reagierst."
    
    "Gut, dann ab ins Wasser und weiter! Wir reden heute Abend."
    
    Mich würde tatsächlich interessieren, was das zwischen uns ist. So, wie er sich abmüht, muss es ihm wichtig sein, Zeit mit mir zu verbringen. Dafür bringt er ein großes Opfer, wie ich sehe.
    
    Der Nachmittag verläuft ähnlich, wie der Vormittag. Da er aber zusehends sicherer wird, muss ich mich nicht mehr so oft umdrehen und kann mich mehr auf den Fluss konzentrieren. Dieser ist gar nicht so schlecht ausgewählt, denn der Teil, den wir am ersten Tag zurücklegen müssen, ist relativ einfach und damit ideal, um sich an die Herausforderung zu gewöhnen.
    
    Ich hoffe allerdings, dass es weiter ...
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