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Anastasia Serinskaya - Die Agentin Teil 1
Datum: 19.05.2026, Kategorien: Romantisch
... Brust rammt und das Herz trifft. Allerdings muss man die Klinge genau zwischen zwei Rippen ansetzen, weil es sonst kein Durchkommen gibt. Aber wer weiß schon, wo bei einem Bären die Rippen sind. Bei so viel Fell und Fett ist es reine Glückssache. Mein Versuch ist zwar eine Verzweiflungstat, aber eine andere Lösung hat es nicht gegeben. Die Entscheidung war: Entweder er oder wir. Ich hätte es bevorzugt, wenn er seiner Wege gegangen wäre und ich ihn nicht hätte, töten müssen. Aber es blieb mir nichts anderes übrig. Der Bär brüllt erneut auf. Diesmal mit einer ungeheuren Lautstärke. Ich habe den Eindruck, als würde der Boden zittern. Das Tier ist verletzt, das hört man. Ob er auch tödlich getroffen ist, kann ich noch nicht sagen. Ich hoffe es. Ansonsten könnte es sehr gefährlich werden. Mit einem verletzten Bären ist nicht zu spaßen. Zudem habe ich kein langes Messer mehr, das einzige, das lang genug ist, steckt noch immer im Körper des mächtigen Tieres. Sam schaut gebannt zu dem verletzten Fellknäuel. Dieses torkelt, dreht sich aber in unsere Richtung. Besorgt schiebe ich Sam hinter mich, um ihn in Sicherheit zu wissen. Dabei nehme ich das kleine Messer zur Hand. Mir ist klar, dass ich damit gegen einen Bären nicht viel ausrichten kann, aber besser als keine Waffe ist es allemal. "Was jetzt?", will Sam hinter mir wissen. Seine Stimme zittert, er hat Angst, große Angst. Mir ist klar, dass er befürchtet, dass ich den Bären nur verletzt, aber nicht tödlich ...
... getroffen habe. Ich bin da zuversichtlicher. Immerhin habe ich es geschafft, die Klinge bis zum Schaft in den Körper des Tieres zu rammen. Meine Hand ist dabei sogar tief im Fell verschwunden. Den Zwischenraum zwischen zwei Rippen habe ich garantiert getroffen. Die Frage ist nur, ob es die richtige Stelle war, genau die, hinter der sich das Herz befindet. Ich schiebe Sam noch weiter zurück und stelle mich nach wie vor schützend vor ihn. Das gewaltige Tier schwankt einen weiteren Schritt auf uns zu und ist nur noch wenige Meter von uns entfernt, ich schätze drei. Seine Bewegungen sind allerdings nur noch langsam und träge. Ich hoffe, dass dies daran liegt, dass es tödlich verletzt ist. Ich kann direkt in die Augen des Bären blicken. Die kleinen, schwarzen Knöpfe funkeln böse. Es scheint fast so, als würde er mich vorwurfsvoll anstarren. Ich kann mir das aber auch nur einbilden. Die Zeit vergeht wie in Zeitlupe und ich kann nur abwarten, was passiert. Dabei ist Geduld nicht gerade meine Stärke. Aber in diesem Fall kann ich nichts anderes tun. Dabei schießen mir sonderbare Gedanken durch den Kopf. Ich spiele jede Möglichkeit durch, was nun passieren könnte. Ich will vorbereitet sein. Plötzlich schwankt das Tier bedrohlich, der Bär kämpft um das Gleichgewicht und verliert. Mit lautem Getöse fällt der schwere Körper in unsere Richtung und, hätte mich Sam nicht noch ein Stück weggezogen, wäre er auf mich drauf gefallen. Sofort bringe ich noch etwas mehr Abstand zwischen uns ...