1. Anastasia Serinskaya - Die Agentin Teil 1


    Datum: 19.05.2026, Kategorien: Romantisch

    ... Einfluss darauf haben wir nicht.
    
    Etwa eine Viertelstunde vor der geplanten Abfahrtszeit fährt mein Zug ein und ich habe somit genügend Zeit, mir ein gemütliches Abteil zu suchen. Ich bin froh in den Zug steigen zu können und nicht mehr, am Bahnsteig warten zu müssen.
    
    Ich finde auch recht schnell das Passende, ein Abteil, in dem nur ein anderes junges Mädchen sitzt. Sie dürfte um die 20 sein, nur wenig jünger als ich. Sie scheint ausgesprochen schüchtern zu sein, denn als ich sie grüße, nickt sie nur mit dem Kopf und schaut dann verschämt zur Seite. Wenn ich mich nicht täusche, wird sie sogar ein wenig rot im Gesicht.
    
    Ich setze mich ihr gegenüber ans Fenster und schaue hinaus. Zunächst beobachte ich den Bahnsteig und die Leute, die geschäftig hin und her laufen. Zu meiner Verwunderung fahren wir wenig später los und sind damit pünktlich.
    
    Wir verlassen schon bald den Ort. Er ist nicht besonders groß. Der Zug nimmt Fahrt auf und rattert dahin. Die Landschaft zieht an mir vorbei. Viel hat sie jedoch nicht zu bieten. Ich langweile mich.
    
    "Wie heißt du?", frage ich das Mädchen. Auch sie schaut nur zum Fenster hinaus.
    
    "Ich?"
    
    "Ja, wer sonst?", frage ich lächelnd.
    
    "Ich heiße Jelena", antwortet sie. "Und du?"
    
    "Ich heiße Anastasia. Wohin fährst du?"
    
    "Nach Moskau. Ich soll dort arbeiten."
    
    "Ich fahre auch nach Moskau. Dann haben wir eine ganz schön lange Strecke, die wir gemeinsam zurücklegen müssen."
    
    Es entsteht erneut eine Pause. Ich weiß nicht, ...
    ... was ich mit dem Mädchen reden soll. Vor dem Krieg hätte ich mich mit ihr über Musik, Kino oder ähnliche Dinge unterhalten, die man gemeinsam haben könnte. Aber in Zeiten, wie diesen, ist dies deutlich schwieriger. Man geht kaum noch ins Kino und macht auch nur wenig, einfach nur zur Unterhaltung.
    
    Etwa eine Stunde nach unserer Abfahrt, hält der Zug in einer kleineren Stadt. Ich beobachte, wie Leute einsteigen. Unter ihnen fallen mir zwei junge Soldaten auf, die sich schon am Bahnsteig vordrängen und glauben, wer sie sind.
    
    Nur, weil sie eine Uniform tragen, glauben sie schon, Macht ausüben zu können, denke ich bei mir. Dabei sind es vermutlich Bauernsöhne ohne viel Bildung und Kenntnis von der Welt. Manieren hat ihnen vermutlich auch keiner beigebracht, sonst würden sie sich nicht so präpotent aufführen.
    
    Als nach fünf Minuten die Tür zu unserem Abteil geöffnet wird und ausgerechnet diese zwei Burschen zu uns hereinkommen, verdrehe ich die Augen. Wobei ich darauf achte, dass sie es nicht sehen. Ich ahne bereits, dass es mit der Ruhe vorbei sein dürfte.
    
    Sie kommen, ohne zu fragen herein, mustern uns eingehend und grinsen uns überheblich an. Ich versuche sie zu ignorieren, Jelena schaut ängstlich zum Fenster hinaus. Ich sehe sofort, dass sie mit der Situation nicht umgehen kann.
    
    Von unserem Verhalten lassen sich die Burschen aber nicht von ihren Plänen abhalten. Sie setzen sich neben uns, einer nimmt neben mir Platz, der zweite lässt sich neben Jelena auf den Sitz ...
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