1. Anastasia Serinskaya - Die Agentin Teil 1


    Datum: 19.05.2026, Kategorien: Romantisch

    ... verstehen. Das gilt doch ganz besonders im Umgang mit der Presse.
    
    Ihr seid das Sprachrohr für Millionen von Menschen, Menschen, die ein Recht darauf haben, zu verstehen, was die Politik und andere Leute tun und warum sie es tun. Erst dann können sie die Entscheidungen oder die Handlungen leichter verstehen oder zumindest nachvollziehen."
    
    "Ich verstehe, keine Geheimnisse."
    
    "Naja, ich will nicht ausschließen, dass es Situationen gibt, wo man aus triftigen Gründen nicht alles sagen kann oder darf. Aber wo immer es geht, sollten wir versuchen unser Vorgehen zu erklären."
    
    "Sehen sie das auch so, Herr Minister?"
    
    "Ich gestehe, auch ich war überrascht, als Anastasia sie einfach zu uns an den Tisch geben hat. Es ist in der Tat ungewöhnlich. Ich muss aber gestehen, dass meine Freundin öfters etwas ganz anders macht, als man dies gewohnt ist. Aber ich bin überzeugt, sie tut das Richtige und stehe deshalb voll hinter ihr."
    
    "Sie wollten aber etwas anderes fragen, als sie ins Restaurant gekommen sind", wende ich mich wieder an Susan.
    
    "Ach ja, genau. Ich habe im russischen Fernsehen, vermutlich wir alle, den Beitrag über die Gespräche mit Labradorov gesehen. Ist ihnen das Leid ihres Volkes wirklich egal?"
    
    Ich muss lachen. Ganz so ist es im Beitrag nicht hinübergekommen, aber etwas zugespitzt formuliert, könnte es darauf hinauslaufen.
    
    "Allein schon der Umstand, dass sie uns gesucht und diese Frage gestellt haben, zeigt mir, dass sie der russischen Propaganda ...
    ... nicht glauben und sie tun gut daran. Das Gespräch ging um die Frage, ob ein Waffenstillstand möglich ist", gibt Sam die Antwort. "Dabei wurde von russischer Seite das Leid der Zivilbevölkerung in der Ukraine angesprochen."
    
    "Und genau das ist doch absurd", mische nun ich mich ein. "Russland greift die Ukraine an, beschießt bewusst zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser, Bahnhöfe und vieles mehr, nimmt damit ganz bewusst den Tod, das Leid und die Einschüchterung der Menschen in Kauf und gibt dann vor, sich Sorgen, um die Zivilbevölkerung zu machen. Ich finde, das ist verlogen, wenn nicht zynisch. Ich habe dem russischen Außenminister gesagt, das Leid ließe sich sofort lindern, mit dem Abzug seiner Soldaten."
    
    "Aber auch schon ein Waffenstillstand würde helfen", wirft Susan ein.
    
    "Den kann es geben, auch Verhandlungen. Dazu muss sich Russland aber vollständig von unserem Territorium zurückziehen."
    
    "Kann man nicht vorher schon sprechen."
    
    "Bei einem Waffenstillstand hätte die russische Seite Zeit, sich neu aufzustellen und Kräfte zu sammeln. Sie wollen doch nur Zeit gewinnen. Ich glaube nicht, dass sie es mit den Verhandlungen ehrlich meinen."
    
    "Und ein Frieden aufgrund der heutigen Gebietssituation?"
    
    "Wäre eine Katastrophe."
    
    "Warum?", will Susan wissen.
    
    "Zum Glück hat die Welt aus dem Krieg von 2014 gelernt. Der russische Präsident Popov wird nie Ruhe geben, solange er nicht besiegt oder zumindest gezwungen wird, sich zurückzuziehen. 2014 wurde ihm die Krim ...
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