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Anastasia Serinskaya - Die Agentin Teil 1
Datum: 19.05.2026, Kategorien: Romantisch
... der Stimme. "Popov!", schnaube ich. "Ja, Popov", lacht er. "Der Arsch." Wir schälen uns aus dem Bett und verschwinden zusammen im Bad. Sonst bin ich eher empfindlich, was meine Ruhe bei der Morgentoilette angeht. Das letzte Mal waren wir zusammen im Bad, weil wir es eilig hatten. Das ist dieses Mal nicht der Fall. Doch bei Sam spüre ich nicht die Spur von Hemmungen. Das kann auch daran liegen, dass wir zusammen in der Wildnis waren und es dort wenig Privatsphäre gab. Ich glaube jedoch eher, es liegt an der Vertrautheit zwischen uns. Kurz vor 10 Uhr fährt unsere Wagenkolonne vor dem Kreml vor. Diesmal ist es allerdings nicht mehr der Nebeneingang zum Außenminister, sondern der Haupteingang. Wir wollen schließlich zum großen Präsidenten. Ich muss lachen. Ich, das kleine Mädchen aus einer unbedeutenden Ortschaft aus der Ukraine betrete den Kreml durch den Vordereingang, als Teil einer amerikanischen Delegation. Ich weiß aber auch, dass ich kein gern gesehener Gast bin. Ich verkörpere, wie niemand anderes, den Widerstand meines Landes gegenüber dem Aggressor. Dass ich dabei nur Glück hatte, das spielt keine Rolle. Ich habe dem großen Reich nicht nur einmal einen schweren Schlag versetzt. Das wird man mir niemals verzeihen. Das wird auch der Grund sein, warum mich selbst die Wache am Eingang hasserfüllt anschaut. Ich bin nicht willkommen, von niemand hier. Vermutlich kennen sie mich aus dem Fernsehbericht von gestern. Ich denke, den haben viele Russen, ...
... aber auch viele in meiner Heimat und in anderen Ländern der Welt gesehen. Ich bin keine Unbekannte mehr. Die Wachen aber müssen gute Miene zum bösen Spiel machen, weil ich diplomatischen Schutz genieße. Am Eingang empfängt uns diesmal der Außenminister. Nach einer kurzen Begrüßung werden wir in das Gebäude geführt. Die Eingangshalle ist überwältigend schön. Ich würde mir den gesamten Komplex gerne einmal anschauen. Diese Burg- und Festungsanlage ist uralt. Die Mauern könnten Geschichten aus vielen Jahrhunderten erzählen. Leider befinde ich mich nicht auf einer Besichtigungstour, ich bin hier, um Verhandlungen zu führen. Deshalb werden wir in einen Raum geführt, der wohl für Besprechungen genutzt wird. In der Mitte steht ein riesengroßer Konferenztisch. Wer hier von einem Ende zum anderen rufen will, tut sich schwer. Als wir den Raum betreten, kommt durch eine andere Tür bereits Popov mit seinem Gefolge. Er sieht älter aus, als man ihn von Bildern her kennt. Hinter ihm dackeln drei ältere Herren sowie sieben jüngere Leute in den Raum. Bei den Jüngeren dürfte es sich um Sekretäre und Sekretärinnen handeln, da sie an der Tür zum Sitzungszimmer stehen bleiben und nur die Altersheim-Abteilung auf uns zukommt. "Dieses Gespräch ist ihm wichtig. Er lässt uns keine Minute warten", raunt mir Sam zu. "Trotzdem mag ich ihn nicht", flüstere ich genauso still zurück. "Ich ihn auch nicht", bestätigt Sam. "Sei unbesorgt." Ich fühle mich nicht wohl in diesem Raum. Ich frage ...