1. Anastasia Serinskaya - Die Agentin Teil 1


    Datum: 19.05.2026, Kategorien: Romantisch

    ... mich, ob ich wirklich hier sein sollte, ob ich dem gewachsen bin, was uns bevorsteht. Aber an Flucht ist nun auch nicht mehr zu denken. Ich mache bestimmt keinen Rückzieher.
    
    "Herr Außenminister", grüßt Popov übertrieben freundlich.
    
    Obwohl er Sam begrüßt, liegen seine Augen musternd auf mir. Er versucht, mich einzuschätzen. Offenbar verlässt er sich nicht einfach auf die Informationen, die er von seinen Leuten bekommt.
    
    Er gibt Sam auch nicht die Hand. Er bleibt etwa fünf Meter von uns entfernt stehen. Also stimmen offenbar die Gerüchte, dass er Abstand hält und dies bei ihm womöglich eine Phobie ist.
    
    "Herr Präsident", antwortet Sam steif.
    
    "Frau Serinskaya, wie fühlt es sich an, ins Zentrum der gegnerischen Macht vorgelassen zu werden?"
    
    "Ungewohnt, sehr ungewohnt."
    
    "Muss ich mich vor ihnen fürchten?", meint er und schmunzelt. "Sie sollen sehr gefährlich sein."
    
    "Wir wurden eingeladen und solange wir nicht angegriffen werden, wissen wir uns sehr wohl zu benehmen, wie sich dies für Gäste gehört", antworte ich. Ich lächle gekünstelt und ich vermute, das sieht man auch.
    
    "Dann lasst uns niedersitzen."
    
    Popov macht eine einladende Handbewegung. Wie schon bei seinem Außenminister, sitzen sich die beiden Parteien gegenüber. Zu meiner Verwunderung sitzt Labradorov etwas weiter weg von Popov. In dessen unmittelbarer Nähe haben sich die drei älteren Begleiter niedergelassen. An den Rändern ganz außen sitzen die Sekretäre.
    
    Bei uns sitzen Sam und ich in ...
    ... der Mitte, drei Beamte der Botschaft, die uns begleiten, nehmen neben uns Platz.
    
    "Sie wissen, warum wir hier sind?", will Popov wissen.
    
    "Das wissen wir", bestätigt Sam.
    
    "Wir stellen für Verhandlungen die Vorbedingungen, die wir schon mehrfach dargelegt haben", stecke ich sofort die Fronten ab.
    
    "Und genau da liegt offenbar das Problem, warum die Verhandlungen feststecken", antwortet Sam.
    
    "Wäre es nicht an der Zeit, von starren Positionen abzulassen?", meint Popov süffisant und grinst.
    
    "Genau diese Frage könnte ich auch ihnen stellen. Sie haben uns eingeladen, um auszuloten, ob die Möglichkeit zu Gesprächen bestehen. Wenn sie dabei aber nicht bereit sind, einen Schritt auf uns zuzumachen, dann frage ich mich, warum sie das von uns verlangen und wozu wir diesen weiten Weg auf uns genommen haben", antworte ich.
    
    "Das Volk in der Ukraine leidet", wirft der Russe ein.
    
    "Das tut es. Wir wissen aber alle, was der Grund dafür ist", halte ich dagegen.
    
    "Ich nehme an, das Gespräch mit der Presse, war ihre Idee."
    
    "Das hat sich so ergeben."
    
    "Nicht so bescheiden", meint er.
    
    "Es war aber so."
    
    "Das war ein kluger Schachzug. Sie haben es geschafft, die Presseleute einzuseifen."
    
    "Ich habe niemanden eingeseift. Ich habe nur versucht offen und ehrlich zu sein."
    
    "Sie ehrlich?", lacht er auf.
    
    "Ich zumindest rede von Krieg und nicht von einer Sonderoperation. Mein Volk beschießt keine Zivilisten und wir sehnen uns nach Frieden, aber nicht um jeden ...
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