-
Planet der Scharfen 16
Datum: 20.05.2026, Kategorien: Sci-Fi & Fantasy,
... nur einen Schluck von der Milch, denn Ema drängt zum Aufbruch. Sie meint, sie müsse sich auf den Baustellen zeigen, sonst werde noch jemand beunruhigt und schicke einen Suchtrupp los. Das will sie definitiv nicht: «Der Rest der Milch kann warten, bis wir wiederkommen.» Ich weiss im Moment nicht, was sie mit 'wiederkommen' meinen könnte, aber sie zeigt lediglich ihr wissendes Lächeln. Wir durchwandern das Dorf von Süd nach Nord und von West nach Ost. Ich kann deutlich erkennen, dass der Sturm im Osten und im Norden grössere Zerstörungen angerichtet hat, wogegen die Häuser im Westen und im Süden weniger betroffen sind. Wie schon beim Dorf von Veruscha haben die Scharfen zunächst die Dächer repariert, dann die weniger beschädigten Wohnhäuser. Ein Gebäude am östlichen Dorfrand fällt mir auf: Ein deutlich weniger schmuckes Lagerhaus mit einem nach wie vor ramponierten Dach ist von bereits wieder eingeräumten Lagerhäusern mit reparierten Dächern umgeben. Ema merkt, dass meine Aufmerksamkeit auf der Ausnahme ruht und erklärt: «Das ist nur ein Menumpachan.» Die fähige Telepatin merkt sofort, dass ich mit dem Wort 'Menumpachan' nichts anfangen kann, und erklärt mir, dass sie weniger wichtige Lagerhäuser so nennen. Ich verstehe, dass mit dem Wort so etwas wie ein Schuppen gemeint ist, weil er keinen erhöhten Boden aufweist, wie die besseren Gebäude, und auch sonst einfach gebaut ist. Ich verstehe jedoch nicht, warum genau dieser Schuppen eine so tiefe Priorität geniesst. ...
... «Dieser Menumpachan ist zum Lagern von Seilen und Schnüren. Der böse Wind hat sie kräftig durcheinandergebracht. Sie sind alle nass und müssen zum Trocknen ausgelegt werden. Das ist keine schwierige Arbeit, also können es die grösseren Kinder machen, wenn sie wieder hier sind. Wir brauchen die Seile und Schnüre jetzt nicht. Gleich wird es wieder regnen.» Ema deutet auf die aufziehenden Wolken. Als ich mich umblicke, sehe ich überall Menschen, die aufhören zu arbeiten und sich zum Dorfanger begeben. Aha, Mittagszeit. Aber was ist denn das? Zwei Personen gehen nicht in Richtung Dorfanger, sondern zu dem Schuppen. Ema zieht mich hinter das nächste Gebäude. Sie will offenbar nicht, dass die beiden uns sehen: «Das sind Nicole und Aldo. Sie brauchen nicht zu sehen, dass wir nach Süden gehen. Sie wissen nichts vom Haus im Gebüsch.» Diese fähige Telepathin hat Nicole rascher erkannt als ich. Will Ema nicht, dass Nicole von dem Liebesnest erfährt? Ich fühle mich leicht verwirrt. «Du darfst Nicole alles erzählen, aber Aldo braucht es nicht zu wissen.» Okay, diesen Wunsch können wir sicher respektieren. Mich würde jedoch mehr interessieren, was Nicole und Aldo in dem Schuppen wollen. Ema ist in Eile. Sie will noch vor Einsetzen des Regens wieder im Blockhaus verschwinden. Sie will mit mir Schafmilch trinken und nochmals eine gute Zeit haben. Allein der Gedanke, dass diese äusserst fähige und zudem attraktive Frau scharf auf mich ist, törnt mich gewaltig an. Eiligen ...