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Planet der Scharfen 16
Datum: 20.05.2026, Kategorien: Sci-Fi & Fantasy,
... Schrittes entfernen wir uns vom östlichen Dorfrand und verschwinden nach Südwesten. Da dieser Teil des Dorfes keine Baustellen mehr enthält, begegnet uns niemand. Wieder in der Blockhütte wollen wir von der Schafmilch trinken, aber in den Krügen ist keine Milch mehr, sondern eine eher feste Masse. Ich stecke einen Finger hinein und koste: «Das ist Joghurt!» «Was ist Joghurt?» «Das Wort bedeutet 'dicke Milch'. Sie entsteht, wenn man Milch einfach so herumstehen lässt, und etwas hineinkommt, das die Milch nicht mag.» «In den Krügen war vielleicht noch etwas vom Fruchtsaft. Kann es sein, dass die Milch Fruchtsaft nicht mag und jetzt beleidigt ist?» Ich muss mir ein Grinsen verkneifen, bin aber über die Idee froh. Wie soll ich Ema erklären, was Milchsäurebakterien sind? Sie sind ja so klein, dass man sie unmöglich von blossem Auge sehen kann. In einem gewissen Sinn ist Joghurt tatsächlich saure Milch. Die Milch ist sauer, weil der Topf nicht absolut sauber war. Das ist doch eine saubere Erklärung. Während ich noch über Joghurt nachdenke, holt Ema einen hölzernen Löffel aus dem Möbel, das von Nicole und mir meist 'Schrank' genannt wird, obschon es anstelle von Türen einen Vorhang besitzt. Jeder bekommt abwechslungsweise einen Löffel von dem Joghurt aus dem einen Krug, den anderen will Ema für den Abend aufsparen: «Du musst zu Nicole zurück, ich werde Joghurt essen und an Dich denken.» Mit dem ersten Donner werde ich auf die Felle geschmissen und ...
... vernascht. Nach dem Gewitter ziehen wir uns wieder an. Ema meint grinsend: «Wenn mich der Joghurt so scharf macht, dass ich nicht einschlafen kann, bist ganz alleine Du schuld.» Damit muss ich wohl leben. *** Mit Aldo bei Blitz und Donner -- Bericht von Nicole Der Himmel zerreisst. Der erste Donner dröhnt wie eine Kanonensalve über uns hinweg, als die Tropfen fallen -- heiss, schwer, unbarmherzig. Aldos Griff um mein Handgelenk ist hart, fast verzweifelt, als er mich in den Schuppen am Dorfrand zerrt. Das kaputte Dach ächzt unter der Wucht des Regens, der in dichten Strömen herabstürzt. Der Boden ist bereits matschig, Wasser läuft in Rinnsalen über die Schwelle, und der heisse Dampf, den der plötzliche Regen vom aufgeheizten Boden aufsteigen lässt, drückt schwer auf uns nieder. Drinnen ist es dunkel, feucht und heiss wie in einem Dampfbad. Der Geruch von nassem Holz, Seilen und Erde liegt schwer in der Luft, durchzogen vom metallischen Hauch von Ozon, der dem nahen Blitz vorausgeht. Aldo schaut mich an -- seine Brust hebt und senkt sich schwer, sein Körper dampft, jede Sehne unter der nassen Haut angespannt. Sein Blick bohrt sich in mich wie eine brennende Lanze: roh, fordernd, bis zum Zerreissen gespannt. Er will mich. Jetzt. Hart. Aber diesmal bin ich es, die die Zügel in der Hand hält. Ein feuchtes, raues Seil liegt bereit. Ich greife danach. «Stillstehen, Seemann», knurre ich, und ein schmutziges Grinsen zuckt über mein Gesicht. Seine Antwort ist ...