1. Wie das Leben so spielt


    Datum: 03.06.2026, Kategorien: Romantisch

    ... Sonnenstrahlen, wie sie sich durch das Blätterdach kämpfen ... es sieht aus, als würde jemand ein Spotlicht auf dich richten. Als wärst du ein Model auf dem Laufsteg."
    
    Nicole drehte den Kopf zu ihm. Ihre Augen waren groß und dunkel, ein wenig rätselhaft. Sie lächelte - kein breites Grinsen, sondern eher ein Hauch von Amüsement, gemischt mit einer Note von Koketterie. Dann biss sie sich leicht auf die Unterlippe, ein bewusst zarter, beinahe schüchterner Ausdruck. Ihre Stimme war plötzlich weich, fast ein Flüstern: "Danke. So etwas hat noch nie jemand zu mir gesagt."
    
    Martin hielt ihrem Blick stand. "Du siehst wirklich hinreißend aus, Nicole. Ehrlich."
    
    "Schmeichler", sagte sie leise, doch ihr Tonfall klang eher dankend als tadelnd. Nach einer kurzen Pause fügte sie mit bitterer Ironie hinzu: "Ich wünschte, Ralph würde mir auch mal so etwas sagen. Aber er trinkt ... und trinkt. Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind ihm völlig egal."
    
    Die Wendung in ihrer Stimme war abrupt - wie ein Schwenk ins Unsichtbare. Martin war für einen Moment überrumpelt. Mit so viel Offenheit hatte er nicht gerechnet.
    
    "Ralph ist jeden zweiten Abend stockbesoffen", fuhr sie fort, ohne auf seine Reaktion zu warten. "Dann wird er laut, aggressiv, schimpft herum ... die ganze Wohnung steht Kopf."
    
    Martin hatte geahnt, dass Ralph ein angespanntes Verhältnis zum Alkohol hatte, aber dass es dermaßen ausuferte, war ihm neu. "Und Miranda? Was sagt sie dazu?"
    
    Nicole schnaubte verächtlich. ...
    ... "Meine Mutter? Die ist froh, wenn sie ihre Ruhe hat. Ich glaube, sie will vor allem eins von Ralph - und das findet im Schlafzimmer statt. Wenn er wieder mal nicht in der Lage ist, tja ... dann verschwindet sie."
    
    Sie verstummte plötzlich, als hätte sie sich verplappert, und wandte rasch den Blick ab. Ihre Schultern spannten sich leicht an, als würde sie sich innerlich zurückziehen.
    
    Martin sah sie nachdenklich an. Auch wenn sie es nicht zu Ende ausgesprochen hatte, verstand er, worauf sie hinauswollte.
    
    "Ich hab oft versucht, mit Ralph zu reden", sagte Nicole schließlich, ihre Stimme war nun leiser, fast müde. "Ihm zu erklären, dass es so nicht weitergeht. Aber er hört nicht zu. Er lacht nur oder lallt irgendwas, das keinen Sinn ergibt."
    
    Dann, nach einer kurzen Pause, schien sie sich doch entschlossen zu haben, weiterzusprechen. "Weißt du, meine Mutter verschwindet dann für ein, zwei Stunden. Einmal bin ich ihr gefolgt. Heimlich. Sie hat die Wohnung verlassen, ziemlich hastig, und ist eine Etage höher zu einem unserer Nachbarn gegangen. Ich dachte zuerst, sie hätte sich mit jemandem zum Quatschen verabredet ... aber dann hörte ich, was dort oben abging. Das ganze Haus hat's gehört."
    
    Sie sah Martin direkt an. Ihre Stimme wurde beinahe eindringlich. "Aber von mir hast du das nicht, klar?"
    
    "Klar", sagte Martin ruhig. "Ich schweige wie ein Grab."
    
    Er schüttelte leicht den Kopf. "Ich hab's fast geahnt. Aber es so zu hören, ist ... bitter."
    
    Nicole lächelte schief, ...
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