1. Wie das Leben so spielt


    Datum: 03.06.2026, Kategorien: Romantisch

    ... aber es war kein fröhliches Lächeln. "Weißt du, was das Groteskeste daran ist? Meine Mutter hält mir ständig Vorträge. Ich soll aufpassen, mit wem ich mich einlasse. Jungs wollen eh nur das eine, sagt sie. Sie warnt mich vor genau dem Verhalten, das sie selbst seit Jahren lebt."
    
    Martin sagte nichts. Was sollte er auch sagen? Er spürte, dass Nicole gerade nicht nur Dampf abließ - sie vertraute ihm. Und unter all der Rebellion, dem Spott, der jugendlichen Pose, lag eine tiefere Enttäuschung. Vielleicht auch eine stille Hoffnung, dass da jemand war, der zuhörte. Einfach nur zuhörte.
    
    Martin konnte nicht anders, als Mitgefühl für Nicole zu empfinden. Sie wirkte äußerlich gefasst, fast abgeklärt, aber hinter dieser Fassade verbarg sich etwas Zerbrechliches, ein Schmerz, der tiefer saß, als man auf den ersten Blick erkennen konnte.
    
    Sie hatte ihren Vater nie kennengelernt - nicht einmal ansatzweise. Miranda, ihre Mutter, hatte ihm einmal, halb lachend, halb betrunken, erzählt, dass Nicole das Resultat eines Sommers voller Exzesse sei. Ein Festival irgendwo in der Provinz, Alkohol im Übermaß, Drogen im Spiel - und eine Nacht mit fünf Männern. Namen? Keine Erinnerung. Gesichter? Verschwommen. Wer letztlich Nicoles biologischer Vater war, blieb ein Mysterium, das niemand mehr lüften konnte. Ein Schatten, der über Nicoles gesamtem Leben lag.
    
    "Irgendwie bewundere ich dich", sagte Nicole plötzlich und durchbrach die Stille zwischen ihnen. Ihre Stimme war weich, beinahe ...
    ... bewundernd. "Du siehst gut aus, obwohl du älter bist als Ralph. Dein grau melierter Haaransatz steht dir. Er macht dich irgendwie ... sexy. Und du hast so eine sportliche Figur. Wie schaffst du das?"
    
    Martin war sichtlich verlegen, rieb sich am Nacken und wich ihrem Blick kurz aus, bevor er antwortete. "Ähm, danke. Ich achte einfach auf meine Ernährung, mache regelmäßig Sport, ein bisschen Krafttraining, Laufen - ich bin schon ein paar Marathons gelaufen. Und ich bin ... na ja ... überzeugter Single. Keine Verpflichtungen, keine Dramen."
    
    Nicole nickte langsam, als würde sie etwas in seiner Antwort abgleichen mit dem Bild, das sie sich von ihm gemacht hatte. "Weißt du, ich dachte früher mal, Ralph wäre anders. Weniger ... versoffen, weniger manipulativ. Aber im Grunde ist er wie alle anderen Typen, die meine Mutter angeschleppt hat. Wenn ich mal einen Jungen zu Hause hatte, hat sie sich derart danebenbenommen, dass er sofort das Weite gesucht hat. Peinlicher ging's kaum."
    
    Sie schnaubte leise, fast belustigt, aber in ihren Augen lag ein Schatten. "Zu Hause darf ich meistens nur im Jogginganzug rumlaufen, ja nichts zeigen, was irgendwie "aufreizend" sein könnte. Aber wenn's nach mir ginge, würde ich viel öfter Sachen wie heute tragen. Ich fühl mich endlich mal wie ich selbst - nicht wie jemand, der sich verstecken muss."
    
    Martin legte vorsichtig einen Arm um ihre Schultern - nicht übergriffig, sondern fast väterlich. Eine Geste, die Trost spenden sollte, Schutz signalisierte. ...
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