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Wie das Leben so spielt
Datum: 03.06.2026, Kategorien: Romantisch
... "Wenn du mal jemanden zum Reden brauchst - egal worüber - du weißt, wo du mich findest." Nicole hob den Kopf, ihre Augen trafen seine. Etwas schien in ihr zu vibrieren - ein kaum greifbares Gefühl zwischen Dankbarkeit, Sehnsucht und etwas, das gefährlich nah an Begehren grenzte. Sie wusste, dass Martin sie nicht wie ein Kind sah. Nicht mehr. Und sie wusste auch, dass ihr Auftritt heute - das Kleid, das Make-up, die Haltung - nicht zufällig war. Ein Teil von ihr wollte gesehen werden. Begehrt. Als Frau. Und Martin sah sie. Für einen Moment schien die Luft zwischen ihnen stillzustehen. Kein Wind, kein Rascheln in den Ästen, kein Geräusch aus dem Inneren des Lokals. Nur die Sonne, die sich durch die Baumkrone tastete, und zwei Blicke, die sich nicht mehr voneinander lösen wollten. Doch dann wurde die Stille jäh unterbrochen. Die Hintertür zum Gastraum wurde aufgestoßen, und Miranda trat mit hektischen Schritten hinaus. Ihre Mundwinkel waren nach unten gezogen, in ihrer Stimme schwang ein kaum kontrollierter Ärger. "Ralph ist wieder völlig außer sich! Brüllt rum, pöbelt die Kellner an - ich halt das nicht mehr aus! Martin, kannst du ihn bitte zur Vernunft bringen? Vielleicht hört er wenigstens auf dich." Martin atmete einmal tief durch, ließ seinen Arm von Nicoles Schulter gleiten. "Ich geh schon. Ich schau, was ich tun kann." Er schenkte Nicole noch einen kurzen, vielsagenden Blick. Ihre Augen erwiderten ihn - warm, offen, mit einem Lächeln, das irgendwo ...
... zwischen "Danke" und "Bleib bei mir" lag. Für einen Moment wollte er etwas sagen, doch die Worte verhedderten sich in seinem Hals. Stattdessen drehte er sich um und ging. Nicole blieb zurück - unter der alten Eiche, im Licht der sinkenden Sonne, die ihr Gesicht golden scheinen ließ. Als Martin wieder in den Saal zurückkehrte, war die Stimmung laut, schwankend zwischen ausgelassener Heiterkeit und lärmender Erschöpfung. Ohne zu zögern, steuerte er direkt auf Ralph zu, der inzwischen bereits auf einem Stuhl zusammengesunken war, mit glasigem Blick und einem halb leeren Bierglas in der Hand. Worte waren überflüssig. Martin warf Andreas, einem weiteren Cousin, einen stummen Blick zu - und gemeinsam packten sie Ralph unter den Armen, stemmten ihn hoch und schleppten ihn unter dem irritierten Murmeln der Gäste nach draußen. Ralph protestierte schwach, ließ sich dann aber willenlos in den Beifahrersitz von Martins Wagen fallen. Die Tür fiel dumpf ins Schloss. Kein Wort fiel auf der Fahrt. Ralph starrte aus dem Fenster, sein Blick flackerte zwischen Benommenheit und Leere. Ab und zu murmelte er etwas Unverständliches, sank dann wieder in einen Dämmerzustand ab, die Lider schwer, der Kopf zur Seite geneigt wie der eines schlafenden Kindes. Als sie vor seinem Wohnhaus ankamen, begann der eigentliche Kraftakt. Martin stemmte Ralph aus dem Auto, schleppte ihn stöhnend und schwitzend durch das enge Treppenhaus in den dritten Stock. Ralph war schwer wie Blei. Jeder Tritt war ein ...